Band 
Vierter Band.
JPEG-Download
 

74 Buch XXll. Frankreichs Uebergewicht in Europa.

geschickt, und im Justizfach dem Canzlar Daguesseau waren bei Hofwenige Minister, die unter Ludewig XlV. gedient.

Der Regent in der Minderjährigkeit Ludewigs XV., PhilippeDuc d'Orleans, war durch Geist und Muth bekannt, nicht eben sodurch ernsten Eifer für den Staat, feste Grundsätze oder Verläug-nung seiner Neigungen und Lüste für das öffentliche Wohl.

Aber auch Georg I., welcher im gleichen Jahr König vonEngland wurde (ohne die englische Sprache zu verstehen), kümmertesich mehr um die Befestigung seines Ansehens und Hauses, als umeigentlichere Staatsintereffen der Engländer, er dachte und rechnetemehr auf das Kurfürstenthum seiner Bäter, als den oft erschüttertenThron. Diesen dem veränderlichen Kriegsglück auszusetzen, schienbedenklich; er umringte sich mit einem Wall gewährleisteter Trak-tate. In Bündnissen war er zugleich mit den Höfen von Wien,Versailles, Madrid, Lisboa, Turin, Berlin, Kopenhagen, Stock-holm, Warschau und mit den Holländern; so daß er in den Fallhätte kommen können, mit ganz Europa Friede zu haben, und indem Dienst aller dieser Mächte Hülfstruppen für eine gegen dieandere unterhalten zu sollen.

Zwei Jahre nach dem fürchterlichen Krieg, welchen der fran-zösische Hof geführt hatte, um Philipp V. auf den spanischen Thronzu erheben, war der nämliche Hof mit England gegen Philipp V.aufs engste verbunden. Es war nämlich Ludewig XV. ein schwacherKnabe; es ließ sich befürchten, daß, wenn er stürbe, Philipp V.seiner Entsagungsidee ungeachtet, suchen würde, König in Frankreichzu werden; wozu sonst der Duc d'Orleans das nächste Erbrechthatte. Hiewider war Georg I. um so geneigter, sich mit letzteremzu verbinden, da die Vereinigung beider Monarchien unter einemHaupt eben das war, welches man durch den großen Krieg abzu-wenden gesucht hatte.

Seinerseits nahm der Hof zu Madrid einen ganz andern Geist,