Cap. 12. Der Türkenkrieg von 1768. 171
lieben Frau um Leben flehete: hievon war die Wirkung so schreck-lich, daß der Erzbischof befahl, das Bild in der Nacht hinwegzu-tragen. Dieses wurde bemerkt. Sturm und Auflauf verwirrtenMoskau; der Erzbischof im Kloster Donks, vor der Stadt, wurdeam hohen Altar mit Hammerstreichen ermordet. Alle Kranken, umnoch eines Augenblicks der Existenz zu genießen, liefen aus denSpitälern, stürmten, plünderten den Bischofshof, und entflammtenihre Wuth in den Kellern. Da rückte Jerapkin an der Spitze derGarnison herbei. Ueber Leichname geschah der Marsch; währenddem Handgemenge wurden Leute beiderseits von dem Uebel ergriffen;andere starben unter dem Knut. Gregory Orlow und der Winterstillte das Unglück, nachdem in Moskau und auf den benachbartenDörfern neunzigtausend Menschen gestorben.
In dem 1772stenJahr wurden durch den Fürsten Dolgorukojdie Verschanzungen Perekop am Eingang der Krim in vier Stundenbezwungen, die Krim von den Russen in Besitz genommen. DerGroßwessir, bei Babadagh geschlagen, zog sich in den Hämus. DieJanitscharen im Aufstande ermordeten ihren Aga, plünderten dieCaffe, steckten ihr Lager in Brand. Bei so bösem Willen wurdestatt Halils Mussun Oglu, einer der besten Officiers, Großwessir.Dieser betrieb den vergeblichen Friedenscongreß zu Fokzany.
Indeß wurde die Pforte von Ali Bey befreit. Geboren imKaukasus, war Ali als Jüngling nach Aegypten verkauft worden;zehn Jahre diente er, und folgte hierauf seinem Herrn, dem Bey.Von dem an wirkte er in den Parteiungen mit Beifall, wenn ernicht Urheber des Ruins Ebn Hamans, seines ersten Wohlthäters,gewesen wäre; Herr des Landes wurde er, wie vor dritthalbtausendJahren Psammitichus, durch die Ermordung von eilf Beys, dieExilirung eben so vieler, die Confiscation ihrer Schätze und Ber-theilung ihrer Aemter an Mohammed, seinen Schwager, und anvertraute Sklaven; worauf er den Pascha umbringen ließ.