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Geschichte Gustav Adolphs, König von Schweden : und seiner Zeit / für Leser aus allen Ständen bearbeitet von August Friedrich Gfrörer
Seite
297
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Drittes Buch.

Der dreißigjährige Krieg bis zum Jahr 1630.

Erstes Kapitel.

Der Kaiser und die Reformation.

Welcher nur einiger Maßen gebildete Teutsche kennt nichtden großen, langwierigen Kampf zwischen Staat und Kirche, derwährend des Mittelalters Teutschland erschütterte, und den Angel un-serer Geschichte bildet! Pabst Leo III. hatte, indem er Karlden Großen zum Kaiser krönte, eine alte Tradition der Dynastiedes ersten.sax und seiner Nachfolger wieder ins Leben ge-rufen. Doch war dieser Titel schon damals von dem Pabfte ineinem ganz andern Sinn verstanden worden, als der war, dener unter Konstantin und einigen andern wahren Erben desThrons der Cäsarn besaß. Durch das Haus der Ottonen kamdie Kaiserkrone an die teutschen Könige. Es ist ausgemacht, daßdie germanische Nation ihre Zerrüttung der heiligen römischenKirche verdankt; aber die Summe aller schlimmen Gaben, diewir vom römischen Stuhl erhielten, ist befaßt in dem unseligenVerhältnisse zwischen der Kirche und dem Staate, das der Kaiser-krone von vorne herein eingeimpft war. Unter den verschiedenenDynastien des teutschen Mittelalters hat keine mit so viel Glorieund Kraft die Rechte zu behaupten gestrebt, welche mit dem kaiser-lichen Titel verbunden schienen, als das Haus der Hohenftau-fe n. Sie gingen jedoch unter, diese Heldenkönige, nach einem hun-dertjährigen Kampfe, und der glänzendste Theil des teutschen Mit-telalters gränzt ganz nahe an die Epoche der tiefsten Zerrüttung.Dieser Ausgang ist in der That traurig, man darf sich aber nichtdarüber verwundern. Es war die Tiare und die Kaiserkrone,die sich bekämpften. Von diesen beiden Mächten gehörte die