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Weingarter Archiv angeführten urkundlichen Beweise kaum mehreinem Zweifel darüber Raum, daß Wallenftein etwas Fürch-terliches vorhatte. So sah auch Maximilian von Bayerndie Sache an, wenn er dem Kaiser in Regensburg ins Gesichtsagte: »der Reichstag könne, von Bewaffneten umringt,keine Beschlüsse wegen der römischen Königswahl fassen.«
Es versteht sich von selbst, daß Kaiser Ferdinand H. dasGeheimniß des Memminger Lagers wohl kannte, oder vielmehr,daß es unter seiner Zustimmung, wenn auch nicht auf seinenersten Antrieb, zusammengezogen worden war. Aber wie weitging er auf die weiteren Plane ein, die sein Feldhauptmann anden ersten Schritt anknüpfte? Der Kaiser kann es auf eine bloßeDemonstration abgesehen, er kann seine geheimen Absichten dar-auf beschränkt haben, die in Regensburg anwesenden Fürstendurch das Memminger Heer schrecken, und ihrer Furcht die ge-wünschte römische Königswahl abpressen zu wollen. Allein wiedann, wenn sie sich nicht einschüchtern ließen, was ja wirklichgeschah? Der Verfasser vorliegender Geschichte gesteht offen, daßihm bei diesem geheimsten Theile des 30jahrigcn Kriegs Urkundenfehlen, die vielleicht gar nicht existiren. Denn werden überhauptsolche inhaltschwere Gegenstände dem Pergament oder dem Papiereanvertraut? Aber bündige Schlüsse ersetzen, was an äusserenBeweismitteln fehlt. Der Kaiser ging nicht weiter als zu dro-henden Demonstrationen. Wallenftein dagegen wollte sie zumblutigsten Ernste machen. Der Churfürst von Bayern hatte dieganze Rcichsaristokratie, alle Gneisen in Regensburg versammelt,um mit ihnen einei^ allgemeinen Sturm auf den Kaiser zu wagen.Wallenftein gru§ seine Mine noch um ein Lachter tiefer; dasMittel, welches die Guelfen ausgesonnen, um ihren Zweck zuerreichen, sollte ihr Verderben werden. Der entschlossene Ghibellinewollte das, was er als die Hydra des Reichs ansah, den viel-köpfigen dem Kaiser widerstrebenden Willen mit Einem Schlagevernichten. War ja der ansehnlichste Theil der teutschen Aristo-kratie in Regensburg versammelt, und war augenblicklich her-ausgerissen aus seinem mütterlichen Boden, — den Erbländern,auf welchen die Macht der Fürsten fußte; der Friedländerkonnte also neben dem Akt des Schlangentödters noch die zweiteThat des Herkules versuchen, der seinen Feind Anteus über