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Geschichte Gustav Adolphs, König von Schweden : und seiner Zeit / für Leser aus allen Ständen bearbeitet von August Friedrich Gfrörer
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in fortwährendem engen Verkehr, weßhalb bald offene Zwistig-keitcn zwischen ihm und Lilly ausbrachcn.

Anfangs Oktober bergab sich Wallen stein mit großem Ge-folge von Memmingen nach Böhmen zurück. Er lebte abwechselndin Guschin, auf seinen Gütern in Mähren und in Prag.Die mehr als fürstliche Pracht, welche er entfaltete, sollte seinenSturz verdecken. Zu der Hauptstadt Böhmens hatte er sich einenPallast erbaut, der noch heute den hohen Sinn und den Reich-thum des Herzogs beurkundet. Auf der Decke des hochgewölbtenFestsaales ist er selbst abgemalt, als Triumphalor von vierSonnenrossen gezogen, einen Stern über seinem lorbecrbckränztenHaupte. Die lang sich hinstreckenden Zimmerrcihen sind sämmt-lich mit allegorischen Figuren geschmückt. Walle nstein brauchtezu diesen Arbeiten Maler, die er aus Deutschland, Holland,Italien verschrieb. Besonders schön ist ein kleiner runder Saal,ringsum mit mythologischen und astrologischen Bildern, wahr-scheinlich nach seiner eigenen Angabe, geziert. Eine geheime Treppeführt von hier hinab in die Badegrotte, die, von Tropfstein ge-baut, einen feenhaften Eindruck macht, und für Diana und ihreNymphen bestimmt zu seyn scheint. Aus dieser Grotte tritt manin eine hohe Säulenhalle in großem Sty)e, die gleichfalls mitprächtigen Freskobildern ausgemalt ist, und eine Aussicht aufden Park eröffnet. Eine eigene Leibwache stand in seinem Sold;ein glänzender Hofstaat von 60 Edelknaben, vier Hammerherren,12 Rittern umgab ihn. Dreihundert Zug- und Reitpferde stan-den in seinen Ställen und wurden aus marmornen Krippengefüttert. In Wien hatte er einen eigenen Bevollmächtigten andem Obersten Brenner. Sein Vermögen, schon früher unge-heuer, war durch den glücklichen Krieg gegen die Dänen nochmehr angeschwollen. Ausser den großen Gefallen, die er ausseinen weitläustigen Gütern in Mähren, Schlesien, Böhmen bezog,hatte er in die Banken von Venedig und Amsterdam großeSummen niedergelegt. Sein jährliches Einkommen bestes sich aufmehrere Millionen Thaler. Manche Wittwen und Waisen braver,im Dienste des Kaisers gefallener Anführer erhielten Gehalteaus seiner Kasse. Viele Offiziere und Soldaten waren ihm, wiegesagt, in den Privatstand gefolgt. Der blinde Glaube an seinGlück, ja selbst die Meinung, daß der Friedländer mitüberirdischen Mächten des Himmels oder der Hölle im Bunde