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Geschichte Gustav Adolphs, König von Schweden : und seiner Zeit / für Leser aus allen Ständen bearbeitet von August Friedrich Gfrörer
Seite
665
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Viertes Buch.

Gustav Adolph im Kampfe gegen die vereintenKräfte der Liga und des Kaisers. 1630. 1631.

Erstes Kapitel.

Gustav Adolphs Unterhandlungen mit seinen Unterthanen undfremden Mächten. Zustand Schwedens. Finanzen und HülfS-quellen. Rüstung zum Krieg. Ankunft in Teutschland.

Wir haben unsern Helden verlassen, wie er nach glücklicherBeendigung des polnischen Kriegs im Herbste 1629 in sein Reichzurückkehrte. Gustav Adolph war längst zum Einfall inTeutschland entschlossen. Die Beleidigungen, welche er durch dieschimpfliche Abweisung seiner Gesandten vom Lübeker Congresse,durch die Einmischung des Kaisers in den polnischen Krieg, durchdie gewaltsame Absetzung seiner Verwandten, der Herzoge vonMeklenburg erfahren, mußten vor der Welt als Vorwanddienen. Gegen seine Vertrauten rechtfertigte er den neuen Kriegdurch die Nothwendigkeit, der kaiserlichen Macht, die unaufhaltsamauf eine Universalmonarchie hinarbeite, noch zur rechten ZeitGrenzen zu stecken. Dennoch war dieß nicht die wahre oderwenigstens die erste Triebfeder feines Handelns. Denn wie hätteer mit seinen verhältnißmäßig geringen Streitkräften die ungeheureMacht Ferdinands H. angreifen können, wenn er nicht vor-aussehen durste, daß bereits Entzweiung im Reiche herrsche, unddaß den Kräften des Kaisers die Macht der Liga das Gleichge-wicht halten werde. Mußte er aber von dieser Voraussetzungausgehen, die allein dem Angriffe eines kleinen Königs gegeneinen großen Herrscher einige Wahrscheinlichkeit des Gelingensverhieß: so war sein Erscheinen in Teutschland mit dem Zweckeine künftige Weltherrschaft Oestreichs zu verhindern, unnöthig,