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vorgenommen werden. Den Bauern wurde freigestellt, eigeneSchreiber zu halten, welche darauf sehen mußten, daß ihnenkeine ungesezliche Steuern auferlegt wurden. Nichts desto weni-ger zwang die Noth auch nachher noch zu vielen oft sehr schädli-chen Mitteln, um sich nur für den Augenblick zu helfen. EinigeGläubiger erhielten Krongüter, Bergwerke u. s. w. angewiesen,ganze Provinzen wurden entweder überhaupt oder mit Aus-schließung gewisser Gefalle verpfändet; so erhielt z.B. die KöniginMutter gegen einen Vorschuß von 200,000 schwedischen Thalernganz Nericke, und statt der Zinsen sämmtliche gewisse und unge-wisse Einkünfte. Andern gab man für ihre Forderungen Anwei-sung auf diese oder jene Einkommensquelle, oft lauteten sie ganzallgemein auf alle einlaufenden Waaren, oft waren bereitssämmtliche Einkünfte eines Cantons vergeben, wodurch die beson-dern Anweisungen kraftlos wurden. Natürlich sezte sich die Kronedurch dieses Verfahren den größten Unterschleifen aus. Späterverfiel man darauf ganze Landschaften zu verpachten, z. B.Linköpings und Norköpings-Lehen für 27,649 Thalerjährlich, Oeland für 18 , 295 . Die Pachter der leztern Inselmußten überdieß eine Fahne Reiterei und ein Bataillon Fußvolkunterhalten. Die Beamten und Soldaten wurden oft durchVerlchnung von Gütern besoldet, eine Einrichtung, die nicht nurfür die öffentliche Sicherheit, sondern auch für Gewerbe undAckerbau sehr nachtheilige Folgen nach sich zog. Zu manchenLandschaften hakte die Krone wenig oder nichts mehr übrig; manwußte nicht immer genau, was bereits weggegeben oder nochübrig war, so daß nicht selten eine Verleihung zu gleicher Zeitan mehrere Personen ausgestellt wurde. Hochverdiente Männererhielten Krongüter als Geschenk. So schenkte Gustav Adolphfeinem Kanzler Axel Oxen stier na und andern hohen Beamtenausgedehnte Strecken in Liefland zum ewigen Eigenthum. Auchverkauft wurden Krongüter, obgleich ein Grundgesetz dieß verbot,die Noth drängte dazu; als nach Gustav Adolphs Tod dieSachen in Teutschland eine schlimme Wendung genommen hatten;schlug der Reichsrath vor, eine Anzahl Staatsdomänen zu ver-kaufen; wirklich wurde im Jahr 1641 für mehr als eine MillionThaler losgeschlagen.
Bor Gustav .Adolph gab es keine regelmäßige Steuern.Erst in Folge der Kriege, welche er führte, kamen ständige auf.