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Eröffnet wurden die Feindseligkeiten von Stralsund auS, nochehe Gustav Adolph zu Schiffe stieg. Die Insel Rügen, welcheStralsund beherrscht, befand sich noch immer in der Gewaltder Kaiserlichen. Allein es fiel denselben schwer sich zu halten,weil das Land ausgeraubt war, und die Schweden in Stral-sund die Zufuhr vom festen Lande sehr erschwerten. Ausserdemließ es sich erwarten, daß Gustav Adolph Allem aufbietenwerde, um sich des Eilandes zu bemächtigen. Deßhalb wurdeeine Intrigue angezettelt. Auf des Kaisers Verlangen bot derGrundherr von Rügen, Herzog Bogislas von Pommern, dersich vor dem fremden Helfer um so mehr fürchtete, je naher seineerwartete Ankunft heranrückte, die Insel dem Könige von Däne-mark um 400,000 Thaler zum Kaufe an. Christian IV.ging auf dieses Anerbieten ein, das kaiserlicher Seits wohl be-rechnet war; denn da Gustav Adolph den Besitz Rügensdurchaus bedurfte, um Stralsund behaupten zu können, sowäre er, wenn der Verkauf vor sich ging, in einen Krieg mitDänemark verwickelt worden. Noch war jedoch die Unterhand-lung nicht abgeschlossen, als Gustav Adolph seinem Befehls-haber in Stralsund, Leßley, Ordre gab, sich der Insel mitGewalt zu bemächtigen. Leßley sezte schon im April hinüber,und vertrieb die Kaiserlichen aus einigen Schanzen, doch bliebenzwei andere in ihrer Gewalt bis Anfang Juni, wo sie gänzlichvertrieben wurden und sich nach Greifswalde zurückzogen.
Im Mai 1630 waren die Reichsstände in Stockholm ver-sammelt, um den Zug ihres Königs zu billigen, und seine leztenVerfügungen zu vernehmen. Sie dankten ihm für die Entschlossen-heit, mit der er das Vaterland beschirmt, und hießen auch für dieZukunft alles gut, was er anordnen würde. Dennoch konntensie ihre Neigung für den Frieden nicht ganz unterdrücken, indem sieriethen, billige Bedingungen anzunehmen, wenn man sie ihm biete,indeß, fügten sie bei, möchten die Unterhandlungen nur unter demHelme fortgesezt werden. Der 19. Mai alten oder der 29. neuenStyls war der Tag, an dem er sich von seinen Unterthanenverabschiedete. Wie ein Mann, der dem Tod entgegengeht, hatteer sein Haus bestellt. Zuerst ließ er die versammelten Stände seinerTochter Christine den Eid der Treue schwören, als künftigerKönigin und Regentin des Reichs, im Fall er, der König, mit Todabgehen sollte. Der frühere Reichstagsbeschluß, durch den die junge