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das Gefühl machte sich durch lautes Schluchzen Raum. DerKönig schloß nach einigem Stillschweigen mit einem Gebet ausdem 90 sten Psalm, das er bei allen wichtigen Unternehmungenzu sprechen pflegte: »Herr, kehre dich wieder zu uns und seydeinen Knechten gnädig. Ueberschütte uns frühe mit deiner Gnade,so wollen wir dich rühmen und fröhlich seyn unser Leben lang.Zeige deinen Knechten deine Werke, und deine Ehre ihren Kin-dern, der Herr unser Gott sey uns freundlich und fördere dasWerk unserer Hände, ja, das Werk unserer Hände wolle erfördern. Amcn!«^ Schon vorher hatte Gustav Adolph, damitdie Weihe der Religion seinem Unternehmen in jeder Beziehungzu Theil werde, im ganzen Reiche drei große, allgemeine Buß-und Bettage auf den ersten Freitag in den Monaten Julius,August und September angeordnet, damit alles Volk sich beimGottesdienst einstelle, und den Tag mit Fasten und Beten begehe.Lange Zeit nach Gustav Adolphs Tode dauerte dieser frommeGebrauch fort.
Die Einschiffung des Heeres erfolgte zu Elfsnaben, wodie Flotte vor Anker lag. Acht und zwanzig Fregatten standenzur Aufnahme der Truppen bereit, und gegen 200 Transport-schiffe. Eine unzählige Menge Volk war zusammengeströmt, umdie Abfahrt des großen Königs und seiner Soldaten zu schauen.Die meisten Zuschauer bewunderten den Muth eines Helden, dermit einem so kleinen Heere den mächtigsten Herrscher Europas inseinem eigenen Lande aufsuche, andere bedauerten es, daß ernach so vielen Anstrengungen sich in neue Gefahren stürze, aberalle hofften einen glücklichen Ausgang des Unternehmens, dennfest stand der Glaube an das Glück, das seine Tugenden, seineTapferkeit begleite. Während der Einschiffung erschienen Gesandtedes Herzogs von Pommern; sie flehten im Namen ihres Gebie-ters, Gustav Adolph möchte doch nicht in Pommern landen,weil diese bereits schon so schwer verheerte Landschaft sonst derSitz des Krieges würde. Diese thörichte Bitte war vergeblich.Gustav Adolph wies sie mit bittern Vorwürfen über dieZaghaftigkeit ihres Herrn ab. Es war ein Vorgeschmack jenerCharakterlosigkeit der "teutschen Reichsfürsten von damals, die ihmauch bei andern Gelegenheiten so viel zu schaffen machte. DieAnker wurden Ende Mai gelichtet, aber widrige Winde hieltendie Flotte bis in Juni auf, am 24. dieses Monats (alten Styls)