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Geschichte Gustav Adolphs, König von Schweden : und seiner Zeit / für Leser aus allen Ständen bearbeitet von August Friedrich Gfrörer
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Teutschen zu befreien, zugleich ließ er einfließen, daß er die Schwächeder Festung wohl kenne, und im Nothfall auch wider den Wil-len des Herzogs Eingang zu finden wüßte. Man sah vom Bleich-platze aus, wo dieses vorging, das herzogliche Schloß, dessenFenster mit neugierigen Frauen besczt waren. Gustav Adolphdeutete lächelnd dorthin: »nicht drei Minuten,« sagte er, »wür-den alle diese schöne Beschützerinnen gegen eine einzige Kompagniemeiner dalekarlischen Fußknechte aushalten.« Bogislas forderteeinige Augenblicke Bedenkzeit, um sich mit seinen Rächen zubesprechen. Sie ward ihm bewilligt; aber seine Beamten besaßendie Kunst nicht, ihn die Nothwendigkeit mit Würde tragen zulehren. Bon Neuem bat er, bebend vor dem Beispiel der Mek-lenburger Herzoge, um Neutralität. Gustav Adolph erwidertezornig: wer nicht für mich ist, ist wider mich. Nun denn inGottes Namen, schloß der Herzog mit beklommenen Herzen.Gustav Adolph dankte ihm, und versicherte, daß er denSchritt nie bereuen werde, »nur eins«, sezte er l-chend hinzu,»muß ich Euer Liebden noch sagen, daß Sie sich in Zhrem Eheständebesser aufführen, sonst könnte ich in Versuchung kommen, EuerLiebdenAdoptiv-Sohn zu werden.« Dieß war ein Scherz, hinterdem sich Ernst verbarg. Vogislas stand damals im SOstenLebensjahre, und hatte zwar längst eine Gemahlin, aber nochkeine Kinder mit ihr gezeugt. Gustav Adolph ließ die Sänftedes Herzogs durch eine Ehrenwache von 200 Schotten wiederzurück in die Stadt begleiten. Diese Soldaten hatten noch einenzweiten Auftrag; sie mußten eines der Thore besehen, um mög-licher Reue zuvorzukommen. Gleich darauf rückten die Schwedenunter dem Jubel des Volks in die Stadt und bezogen die Wälle.Dieß geschah Sonnabends den s./^. Juli. Gustav Adolphquartirte seine Soldaten nicht bei den Bürgern ein, sie mußtenin Zelten liegen. Auch er selbst bezog nicht die Zimmer imSchlosse, welche man für ihn zubereitet hatte, sondern er schlief amBord eines Schiffes auf der Oder. »Denn,« sagte er, »ein mitPelz gefütterter Mantel für den General und Stroh für denSoldaten sind treffliche Betten für die Unterthanen eines Königs,der in einer Hängematte schlafen kann.« Gustav Adolphunterließ es nicht, am folgenden Tage der ein Sonntag wardrei verschiedene Predigten mit anzuhören. Die Befestigung derStadt lag ihm zunächst am Herzen. Montags ließ er die