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Geschichte Gustav Adolphs, König von Schweden : und seiner Zeit / für Leser aus allen Ständen bearbeitet von August Friedrich Gfrörer
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nen Finger gegen die Schweden erhoben, sondern ,m Gegentheilibre Wünsche für das Wohl des Komgs zum Himmel empor-schickten Hätten sie sich gegen die Schweden gewehrt, wie dieMagdeburger gegen Pappenherm, was wurde dann ausFrankfurt geworden seyn? Sicherlich em Schutthaufen, wieMagdeburg auch. Denn im vorausgesezten Falle zweifelnwir sehr, ob Gustav Adolph Macht genug besessen hätte, umder Wuth seiner Leute Einhalt zu thun. Wir sagen dieß nicht,um Grausamkeiten zu entschuldigen, oder gar den König vonSchweden herabzusetzen, sondern unsere Absicht ist, den Charakterzweier Waffenhäupter zu retten, welche ihr Leben dem Nachruhmweihten, und doch vom Partheigeist schändlich verlästert worden sind.Geschichtschreibende Pedanten haben sie wegen MagdeburgsFall um die Wette mit Koth beworfen, und nicht eher geruht,bis Lilly namentlich schwärzer als der Teufel hingestellt war.Das Schlimmste ist noch, daß die Grausamkeit, welche man demligistischen Oberfeldherrn Schuld gibt, wie fast immer, zugleich denVorwurf des Unverstands mit in sich schließt. In der That,wie thöricht hätte Lilly gehandelt, wenn er eine Stadt, auswelcher er die größten Geldsummen ziehen konnte, muthwilligerWeise zerstörte, und dadurch sich selbst aller dieser Hülfsmittelberaubte! So handelt ein Mann nicht, der ohne Verwandte,ohne Geburt sich bloß auf dem rauhen Pfade des Verdienstsvom Soldaten bis zum obersten Feldhauptmann des teutschenReichs emporschwang.*)

*) Leider stimmt auch Schiller mit dem Chöre der partheiischenAnkläger Tillys, obwohl weder Chemniz noch Spannheim. nochBurgus ein einziges Wort berichten, das die Vorwürfe rechtfertigenkönnte, und obwohl Khevenhüller ausdrücklich den Obergeneralgegen ähnliche Beschuldigungen rechtfertigt. Teutschlands großer Dich-ter hat in seiner Beschreibung des 3ojährigen Kriegs den späten,schlechten Quellen, wie Harte, viel zu viel'Glauben geschenkt, undviel zu wenig die guten Geschichtschreiber benüzt. Auch ging er nichtsowohl darauf aus, der Nation ein treues Bild ihrer Schicksale undLeiden vorzuhalten, als auf theatralischen Effekt und glänzende Gegen-sätze. Ohnedieß ist er vom alten Guelfengeiste in einem bedauerlichenGrade angesteckt. Der Kaiser und seine Generale müssen eben Un-recht haben. Schiller starb, ehe die lezte und herbste Frucht diesesPartheihaffes reifte. Hätte er die gränzenlose Demüthigung Teutsch-lands von den Jabren 18061813 erlebt, eine Demüthigung, welchenur bloß der sogenannten teutschen Freiheit und dem Sieg derReichs-aristokratie über den Kaiser verdanken, so würde er anders vomZOjähngen Krieg geurtheilt haben. Harte vertrödelt eine Reihe derDieser Schriftsteller ist aber längst als DummkopfAs""*". Mauvillon, sonst ein vorsichtiger und unterrichteterSette 134 (Mer B. teutsche Ausgabe) folgende Stelle:

versichern alle andern gleichzeitigenSchrift-unalä'il-liE Officieren, die ihn um Schonung für die

Äünderev» baten ganz kaltblütig geantwortet habe: Laßt denPlünderern ,mmer noch eine Stunde Zeit, und alsdann kommt