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Geschichte Gustav Adolphs, König von Schweden : und seiner Zeit / für Leser aus allen Ständen bearbeitet von August Friedrich Gfrörer
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zu bleiben, auch auf eigene Rechnung Volk anzuwerben. Jedochverpflichtet er sich, dem Könige keine Soldaten abspenstig zumachen, und solche, die etwa den schwedischen Dienst mit chur-brandenburgischem vertauschen wollten, abzuweisen und zur Be-strafung an die betreffenden Regimenter abzuliefern. Endlichübernehmen die Churlande eine monatliche Zahlung von 30,000Reichsthalern zu Gunsten des königlichen Heeres. Etliche Kreise,sammt der Uker- und Mittelmark, steuren bloß zur Unterhaltungdes churfürstlichen Hofes', und sind deßhalb von jeder Lieferungbefreit. Die schwedische Reiterei bezicht ihren Unterhalt auSPommern und Meklenburg.« Diese Bedingungen sind sodrückend für den Churfürsten, und so üb «aus günstig für denKönig, daß sie wohl durch irgend geheime Versprechen, derengleichzeitige Schriftsteller nicht erwähnen, versüßt worden sind.Wirklich theilt Arten holz aus dem schwedischen Archiv eineglaubwürdige Urkunde mit, kraft welcher Gustav Adolpheinen Heirathsplan zwischen seiner Tochter Christina und demSohne Georg Wilhelms, demselben Prinzen, der sich durchThaten den Namen des großen Churfürsten erwarb und diebrandenburgische Größe begründete, zur Sprache brachte. Wirwerden später darauf zurückkommen.

Zur Feier der »glücklichen Versöhnung« wurde am UtenAbends ein Freudenfest im Berliner Schloßgarten gegeben, wel-chem der König bis nach Mitternacht anwohnte. Morgens zweiUhr fuhr er in einem Kahne über die Spree, und gebot seinenKonftablern, den Jubel des Tages mit Abfeurung der Stücke zukrönen. Die Kanonen standen noch immer gegen daS Schloßgerichtet, auch vergaß man sonderbarer Weise die Ladung her-auszunehmen. Also schvßen von 90 Stücken so viel warenes im Ganzen 40 scharf auf die Stadt. Sechs Dreißig-pfünder schlugen theils im Schlosse, theils in benachbarten Häusernein. Doch ward kein Mensch beschädigt. Gustav Adolphentschuldigte diesen unangenehmen Vorfall bei dem Churfürstenals ein Versehen der Kanonire. War es aber wirklich ein bloßesVersehen? Dieß scheint kaum glaublich! Hatte vielleicht übermäßi-ger Genuß von Branntwein die Besinnung der Stückknechteumnebelt? Aber warum sollte unter der Masse von Soldaten, dieerforderlich sind, um 40 Kanonen zu bedienen, nicht Ein Nüch-terner gewesen seyn? War es endlich eine kleine Rache, die sichGustav Adolph wegen früherer Zögerung erlaubte, oder einesinnbildliche Anmahnung an das, was der Churfürst zu gewartenhabe, wenn er nicht treu bleibe? Allein Gustav Adolph hatteja alle Ursache mit dem abgeschlossenen Vertrage zufrieden zuseyn, und keinen neuen Anlaß zu Beschwerden zu geben. DerGenuese Burgus, der im 30jährigen Kriege mitfocht, gibt >»r eandere Erklärung, die freilich ein wenig nach MacchiavellsFürsten riecht, aber doch vielleicht die Wahrheit trifft. Burgus