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Geschichte Gustav Adolphs, König von Schweden : und seiner Zeit / für Leser aus allen Ständen bearbeitet von August Friedrich Gfrörer
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erst nach Tilly umsehen. Nach dem Falle Magdeburgs standzu erwarten, daß der kaiserliche Oberfeldhcrr auf die erschrecktenSchweden losgehen und eine entscheidende Schlacht liefern werde.Er that dieß nicht, sondern verharrte bei seinem alten Zögern.Folglich war in München der Gedanke an eine mögliche Neu-tralität noch nicht aufgegeben. Nur gegen die Reichsfnrsten,welche am Leipziger Schlüsse Theil genommen und sich bewaff-net hatten, sollte Tilly seine Waffen wenden; er hatte dannwenigstens den Schein für sich, die teutschen Feinde des Kaisersbekämpft zu haben. Wenn je noch ein Zweifel darüber obwal-te» könnte, daß der Churfürst von Bayern und sein Generalden König nicht angreifen wollte, so wäre er durch das Betra-gen Tillys nach dem Falle Magdeburgs gelöst. Wirdrücken den Stand der Sachen am besten in einem Bilde aus.Hier brennt ein lodernder Holzstoß. Daneben liegt Zunder, derdurch aussprühende Funken da und dort entzündet wird. Willein kluger Mann den Zunder vor Ansteckung bewahren, so mußer das Feuer und nicht bloß den Zunder löschen. Tilly undsein Gebieter waren verständige Häupter. Weil sie nun denschwedischen Feuerbrand, der die Unzufriedenheit teutscher Reichs-fürsten fortwährend anfachte, nicht löschten, so folgt, daß esihnen mit dem Kriege gegen Gustav Adolph nicht Ernst war.

Von der Mitte Mai bis Anfang Zürn ließ Tilly dieWerke Magdeburgs wieder in guten Vertheidigungsstandsetzen. Anfangs Juni schickte er den Obersten Reinacher miteiner kleinen Abtheilung Volks gegen den lutherischen Bischof vonBremen, der am Leipziger Schlüsse Theil genommen und Rü-stungen gemacht hatte. In einem hohen Tone wurde derselbezum Gehorsam aufgefordert. Zu schwach, um Widerstand zuleisten, übergab er dem Obersten seine angeworbenen Truppen,entsagte dem Leipziger Bunde, und unterschrieb die Kassation dergefaßten Beschlüsse. Es war ein winziger Triumph über einenschwachen Gegner erfochten. Die Reihe sollte nun auch an dieMächtigeren kommen. Den 3. Juni brach Tilly selbst ausdem Lager vor Magdeburg auf, zu dessen Schutz Pappen-den» mit nur . 4000 50"0 Mann zurückblieb. Die Kriegs-zucht des ligisti'fchen Heeres war durch den magdeburgischen Raubnoch tiefer heruntergesunken als früher. Khevenhüller erzählt,hessische Kriegsleute hätten bei Roten bürg sieben tillysche Rei-ter, worunter zwei Fähnderiche, die übrigen Gemeine waren,niedergeschossen, und bei den Getödteten die große Summe von24,000 Reichsthalern in Gold und Kleinodien gefunden. ReicheSoldaten taugen Nichts. Eine wüthende Gier, die geraubtenSchätze noch zu vermehren, beseelte das Tillysche Volk. DerZug ging über den Harz nach Thüringen, um zuerst die Erne-stinischen Herzoge, und dann Hessen kassel zu züchtigen. Aberin den Schlürrdes des Harzes verlor Tilly durch die Wuth der