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langsam wieder auf sein Lager in Werben zurück. Lilly wartief erbittert über den Schimpf, der ihm widerfahren, und sehntesich nach Gelegenheit, die Scharte wieder gut zu machen. Den20. Juli hielt er Heerschau, und brach dann, um ähnlichen Vor-fällen auszuweichen, in Schlachtordnung gegen Werben auf.Sechs Tage dauerte der Marsch, weil e,r durch die beobachteteOrdnung beengt war, und weil die schwedische Reiterei fortwäh-rend die Flanken der Kaiserlichen umschwärmte, weßhalb mannur unter ewigem Plänkeln vorrücken konnte. Den 26sten er-schien das Tillysche Heer im Angesicht des feindlichen Lagers.Unter Plänkeln, kleinen Gefechten und einer nutzlosen Kanonadeging der Tag hin, ebenso ein guter Theil des folgenden. Aberauf die Nacht des 27sten war ein Sturm beschlossen. Tillyhatte Gelegenheit gefunden, etliche Einwohner aus Werben,vielleicht auch eigene Soldaten des Königs, zu bestechen, daß siedie Stadt anzünden, die Kanonen auf den äussersten Schanzender Schweden vernageln sollten. Dieser Plan wurde dem Königeverrathen und die Schuldigen verhaftet. Um den Feind ins Ver-derben zu locken, traf G uftav Ad olph seine Maßregeln so, daßLilly glauben mußte, Alles gehe nach seinem Wunsche. Abendsloderte ein großer Holzstoß in Werben empor, es sah nicht andersaus, als stände die Stadt im Brand. Tilly war indeß zumSturme ausgerückt. Als er das Feuer sah, ward der Befehl zumAngriff gegeben. Kein Laut regte sich Anfangs auf den schwedi-schen Schanzen; die Angreifer sollten im Wahne bestärkt werden,daß die schwedischen Kanonen vernagelt seyen. Aber als sie sichdem Graben näherten, empfing sie ein fürchterlicher Kartatschen-hagel, vermischt mit dem Feuer der Musketire, welche, im Gra-ben liegend, ihren Mann aufs Korn nahmen. Da die Stür-menden in gedrängten Massen herbeistürzten, mußte die Wirkungmörderisch seyn. Auf die gelichteten Reihen brach nun auch dieschwedische Reiterei ein, welche Gustav Adolph ausserhalb desLagers in einen Hinterhalt gelegt hatte. Die Kaiserlichen verlo-ren sehr viele Leute, und der abgeschlagene Sturm wäre zu einerförmlichen Niederlage für Tilly geworden, wenn er nicht dieVorsicht gehabt hätte, eine gute Reserve von Reiterei aufzu-stellen, welche den Rückzug der Geschlagenen deckte*).
*) Auffallend ist es, daß Chemniz von diesem abgeschlagenenSturme Nichts weiß. Der schwedische Soldat erzählt ihn gerade so,wie oben. Wir folgten ihm, als einer trefflichen Quelle, um sv ge-troster, weil auch andere bedeutende Gründe für die Wahrheit seinesBerichtes sprechen. Denn sollte man glauben, daß Tilly, ausser einernutzlosen Kanonade, gar keinen Versuch auf des Königs Lager ge-macht habe? und warum zog er schon am Msten wieder zurück, wenner nicht eine Schlappe erlitten hatte. Schon dieser eilige Rückzugbeweist, daß ihm ein Angriff mißglückt seyn muß! und daß der Rück-zug bereits am 2Ssten erfolgte, darüber sin-d alle Geschichtschreiber einig.