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Kaiser und Könige nicht ertragen wollten, hätten gewiß gegen dieeherne Faust eines glücklichen Emporkömmlings, für welchen sieden König in Schweden ansahen, das Schwert gezogen. Aber mitwelchen Mitteln mochte der König diesen neuen Feind überwinden?Antwort: Allem Anschein nach dadurch, daß er den niedern Adel,daß er die Städte und mittelst der Prediger das Volk auf seineSeite zog. Nicht ohne tiefe Absicht schmeichelte Gustav Adolphden Städten so sehr. Hierin handelte er ganz im Sinne seinesAhns, den die Wogen der Volksgunst aus den Thron gehoben.Dieß ist auch der Grund, warum wir im Eingänge vorliegendenWerkes von demokratischem Königthum des Wasastammes sprachen.Gustav Adolph zog ganz anders, als die meisten Fürstenjener Zeit, das Volk, die Massen in Rechnung. Im Sinneihrer Wünsche, nach ihrem Instinkte handelte er, obgleich er sichüber ständische Formen, in welchen man jezt meist die Freiheitder Völker findet, fast ganz wegsezte. Denn eine starke Regie-rung bedarf der Einheit; es kommt nichts Gescheites heraus, woso viele Köpfe drein schwatzen. Das Volk wurde zu Rathe ge-zogen, aber nur über Dinge, die schon in des Königs Kabinetbeschlossen waren. Es sollte Ja dazu sagen, um dann desto wil-liger bei der Ausführung die Hände zu rühren. Dieß war seineArt, und so ists auch Recht; ein solches Verfahren sezt immervoraus, daß eine Regierung nichts Dummes oder Schlechtes imSchilde führt, denn sonst würde sie bald Widerstand erfahren.Gustav Adolph und der teutsche Kaiser, oder vielmehr Wallen-stei n, verfolgten eigentlich dasselbe Ziel — Tcutschland unter EinenHut zu bringen, nur unter verschiedenen Bannern und mit ver-schiedenen Kirchen. Gewiß war aber Gustav Adolph fähigerund würdiger, diesen einleuchtenden Zweck zu erreichen, als Fer-dinand, dessen ursprünglich guten und edlen Anlagen pfäffischeErzieher ein falsches Gepräge gegeben, aus dem man einen ge-krönten Jesuiten gemacht, und der nur mit Wallen steins Armetwas ausrichten konnte. Und wäre es nicht ein Glück gewesen,wenn dieser erhabene Gothe in seiner Person unserer zerrissenenNation ein frisches Oberhaupt, unserem politischen Leben einenhohen Schwung gab! Doch müssen wir der Wahrheit zu Ehrensagen, daß Gustav Adolph noch weiter strebte, als nach Tcutsch-lands Besitz, daß er nach Polen, nach Italien, nach der Türkeihin seine Augen warf. Es wäre ihm wohl ergangen wie andernEroberern: ein Raubkrieg entzündet den andern. Seine Fröm-migkeit schüzte ihn nicht vor diesem Abwege, vielmehr konnte sieihn darauf bestärken, denn Glaubenseifer und Ehrsucht stoßendamals sehr leicht ineinander über. Er konnte sich selbst überre-den, daß er der Sache Gottes diene, wenn er den Pabst vonseinem Stuhle stürze, den Türken aus Europa jage, in Polendie Evangelischen hebe. Die Gottesfurcht hemmte nicht seinSchwert, nur dieß vermochte sie, daß Gustav Adolph mittenim Glücke, welches sonst daS menschliche Herz am meisten verhärtet,