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Geschichte Gustav Adolphs, König von Schweden : und seiner Zeit / für Leser aus allen Ständen bearbeitet von August Friedrich Gfrörer
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kiii edler, milder Mensch blieb. Urkunden beweisen, daß GustavAdolph nach Sigismunds Tod um die erledigte polnischeKrone sich bewarb. Gualdo *), ein feiner Italiener, voll Ver-stand und Beobachtungsgabe, sagt geradezu, Gustav Adolphwäre nach Eroberung Teutschlands über Italien und den Türkenhergefallen. Welch kolossales Reich hätte unter einem solchenHaupte, wenn ihm das Glück treu blieb, entstehen können, aberauch welche unselige Verwirrung nach seinem Tode! Denn derChurprinz von Brandenburg, welchem er seine Tochter, derHerzog Bernhard, dem er seine Nichte zugedacht hatte, würdenwohl nicht im Stande gewesen seyn, die Schöpfung des Königszu erhalten.

Doch alle diese Zukunft war zerrissen, wie ein Nebel zerran siemit Gustav Adolphs Tode. Jezt konnten die verwaisten Schwe-den nur den Zweck haben, möglichst viel von Teutschland abzureißenund uns zu schwächen. Darum wendet sich von nun der Forscher,welcher für seine Nation fühlt, wieder dem geliebten Doppel-adler zu. Wallen stein griff die Sache am rechten Trumm an,wir glauben seinen Plan zu verstehen. Er sah, daß die schwe-dische Macht allmählig durch innerliche Zwietracht in sich zerfiel;denn Bernhard einer-, Horn und der Reichskanzler anderer-seits vertrugen sich von Tag zu Tag schlechter. Will man falscheFreunde mit einander entzweien, so gibt es kein besseres Mittel,als sie sich selbst zu überlassen; de»n sobald man von aussenher auf sie schlägt, zwingt man sie zur Vereinigung. Ferner saher, daß die Schweden, namentlich Bernhard Bayern vollendsaussaugten. Das war ganz seinen Wünschen gemäß; denn da-durch verlor der verhaßte Churfürst zulezt alle Macht und eben-dadurch die Fähigkeit, Friedlands Plane zu durchkreuzen. End-lich berechnete er, daß des Kaisers Hilfsmittel zwar ausreichen,um dem Feinde die Waage zu halten, aber nicht um ihn völligzu erdrücken, weil Frankreich, weil andere Staaten immer wiederOel ins protestantische Feuer goßen, sobald die kaiserliche SacheVortheile gewann. Also nüzte hier Grwalt Nichts. List mußtehelfen, und wahrlich kein Mensch hat die Rolle des Schlauenbesser gespielt als Friedland. Die mächtigsten evangelischenReichsfürsten, die längst sich gegen den schwedischen Schutzhcrrnmurrend sträubten, sollten auf die kaiserliche Seite herübergezogen,und folglich die Protestanten selbst an einander gehezt werden.Aber dieser Zweck war nicht erreichbar, so lange er nicht diejenige,welche er ködern wollte, glauben machte, daß er selbst und daßder Kaiser auf alle Unterdrückung verzichtet habe. Also nahm erdie Maske des Friedfertigen an, klagte unaufhörlich über die Uebeldes Kriegs, über die Verheerung Teutschlands. Mehrere neuereGeschichtsschreiber vermeinen, daß es ihm damit Ernst gewesen sey,aus überschwänglicher Verehrung für archivalische Urkunden, oder

*1 Franchevjlle. Seite 230.