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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
Entstehung
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Vorrede.

rain noch die Redlichkeit des Herzens und ei-ne gute Meinung als die Triebfedern seinerUnternehmungen an. Und wir können unsnoch nicht überreden, daß einzig und allein derEhrgeitz und der Eigennutz alle Staatsrathe/Cabinette, und Höfe, und die Herzen der glor-reichsten Monarchen belebe, zu Entschließun-gen veranlasse, bewege, zurückhalte, anreiheund angereihet habe. Nicht allemal ist derMangel der Einsicht und Klugheit der großenHerren und ihrer Staatsbeamten die Ursachevon dem Unglücke eines Staats. Nicht alle-mal hat lange List und Klugheit die gewünschteWirkung. Ungefähre Zufalle, unmöglich vor-ausgesehene und veranstaltete Mittel bringendie 'wichtigsten Veränderungen in der großenWelt hervor. Es ist eine ProvidcnZ, eine hö-here Hand, die die Schicksale der Reiche len-ken und verhängen. Schuld und Ursachen ste-cken oft in ganz andern Behältnissen, als inden Cabinetten der Großen, wann ein Staatverfallen soll. Unterdessen geschiehet doch aberauch alles mittelbarer Weist; die Mittel ufidWerkzeuge zeiget der Verfasser an, auf eine sobündige Art, daß man ihn nicht ohne Vergnü-gen lesen kann, und manches so unerwartet undeinfältig aufgelöset findet, daß einem der Glau-be oder wenigstens die Wahrscheinlichkeit rechtin die Hände gehet. Kurz, die Entwickelun-gen der Staatsintriguen und Absichten sindschön, und werden allezeit ihren Beyfall erhal-ten: dergleichen sich die meisten Reflexionen in

* 4 die-