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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
Entstehung
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Vorbericht

welcher die Verhältniße unter den Staaten, derenAbwechselungen ihre Wirklichkeit nicht aufheben, undaus allen Höfen eben so viele Zweige einer einigenFamilie machen, erweitert, oder wohl gar aufgebrachthat. Unsere heutigen Staatsleure und Geschaffte-führer arbeiten nun, wie ihre Vorgänger seit hundertJahren her gethan haben, nach dem Leitfaden, wel-chen Richelieu und feine Zeitgmoßen gesponnen ha-ben; und wann sie nicht dasjenige, was vor ihnengtthan ist worden, zum Maasftab ihres Verhaltensnehmen, finden sie sich in der Nothwendigkeit, aufgerathewohl loszuarbeiten. Die Untersuchung undKenntniß des Staatsgebäudes und seiner Werkmei-ster von mehr als den jüngstvergangenen hundert Jah-ren her, muß ihnen unumgänglich beywohnen. Aberwelche Staatsbedienten und Unterhändler werdenZeit und Muth genug haben, den erschrecklichenHaufen von Büchern, welche die angewandten Kunst-griffe und Verträge von hundert Jahren, enthalten,in brauchbare Ordnung zu bringen ? Die Politik,so durch die häufigen Kriege und Traktaten, wie dieTheologie durch die Ketzereyen und Kirchenversamm-lungen, gleichsam aufgeschwollen ist, ist zu einerWissenschaft für unermüdete Schullchrer, die vonandern Geschäfften frey sind, geworden. DerStaatsmann und der Geschäffteführer, welche dieBeschwerlichkeit und den Eckel bey solcher Arbeitüberstiegen haben, bemerken, wie schwehr es zu ver-hindern seye, daß so viele unordentlich zusammenge-raffte Dinge keine Verwirrung und Unordnung inihrem Gedächtniße verursachen. Sie befürchten, esmöchte das Feuer und die Lebhaftigkeit, welche die