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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
Entstehung
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z 94 StaalSgefthichte von einem

Diese Prinzessinn war ungemekn eifersüchtig über das Ver-trauen des Königs ihres Sohnes. Sie wünschte garsehnlich bey dem Staatsrath ihres Sohnes eben den Ein-fluß zu haben, den sie bey dem Rath des unglücklichenCarl des I gehabt. Sie/ als eine Daine, welche das Un-glück belehret hatte/ würde ohne Zweifel ein Vorhabenvestritten haben / welches ihrem Sohne die Gewogenheitder Nation entziehen konnte. Carl wollte ihr die Sacheverbergen / und wünschte unterdessen doch es so zu spielen/dass sie sich nicht über das verhaltene Geheimniß beklagenkönnte. In dieser Verlegenheit bediente er sich der gutenDienste und der Geschicklichkeit des Grafen von Estra-des/ um ihr einen Vorschmack von einem grossen Anle-hen / und der dagegen auszustellenden Sicherheit/ die erLudwig dem XIV anbieten könnte/ um ihn dazu zu bewe-gen / zu geben. Estrades nennete der Königinn verschie-dene Besi'tzthümer / so Carl in Versatz geben könnte. Un-ter andem nennete er auch Dünkirchen so obenhin. Alleindieses war schon genug / daß man nach abgeschlossenemKauf der guten Prinzessinn weiss machen konnte/man habeihr die Sache vorher anvertrauet.

Estrades/ welcher die Kunst verstanden/ sich in denStand der Vertheidigung zu setzen / errichtete Gegenbat-terien auf die Batterien des Monarchen/ nachdem er dem-selben diejenige/ so man für seine stärkste hielte/ untüchtiggemacht/ nehmlich die Dürftigkeit seiner britannischenMajestät von der Summe, welche dieselbe forderte. Eswar denselben leicht als eine gültige Wahrheit darzuthun,daß die Bedürfnis des Verkäufers keineswegs die Aner-bietungen des Käufers bestimmen könnten. Die Wich-tigkeit der Erwerbung für Frankreich, der Werth desPlatzes an und vor sich selbsten, und die Nothwendigkeitdem alten Besitzer die auf die Erhaltung desselben verwen-dete große Kosten wieder zu erstatten, wurden der Vor-wurf der Behandlungen. Der französische Minister hattevom Könige seinem Herrn Befehl, vier Millionen zu ge-