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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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Jahrhundert, X. Capitel. Z95

ben. Engelland aber hatte ungefehr gegen 5 Millionen,seit 5 Jahren auf dje Besatzung gewendet; und der Ortwarbevestigetworden; man hatte denselben mit einer zahl-reichen Artillerie, Zeughauß und Magazinen versehen»Der Graf vermiede auf eine geschickte Weise den Nach-theil, so die Vorstellungen von diesen Umstanden ihmebringen könnten. Er nahm eben Gelegenheit, von dengroßen Unkosten, zu welchen dieser Ort einen Besitzer ver-bände, Aufhebens zumachen, um die Meinung von des-sen wirklichen hohem Werthe zu vermindern. Carl undsein Canzler kamen darinnen überein, daß sie gedoppeltdurch den Verkauf gewinneten, nehmlich dasjenige, wasLudwig der XIV dafür bezahlte, und die großen Summen,die Dünkirchens Unterhaltung bisher gekostet. Es schienaber viel schwerer zu seyn, die Wichtigkeit dieser Acqui-sition für Frankreich mißkenntlich zu machen. Estradesversuchte auch dieses und gelangte zum Zwecke. Er machtesich die Sicherheit von ganz Europa vor der SeemachtFrankreichs, die damals erst anfieng zu werden, zu Nu-tzen ; er stellte sich, als ob er nicht den geringsten Vortheilfür seinen Herrn erkennen könnte, in der Erlangung ei-nes Hafens, der wirklich damals für nichts zu rechnenwar, wann man ihn mit dem Zustande, worinnen er sichzwanzig Jahre hernach befände, vergleichet. Der Canz-ler ließ sich betrügen; und er suchte nur das zu beweisen,was der Staatsrath von Frankreich besser wüste als er:daß nehmlich der Besitz von Dünkirchen Ludwig dem XIVeine mächtige Beyhülfe wäre, seine Gränzen auf Kostender spanischen Niederlande zu erweitern. Der Graf vonEstrades antwortete ihm als ein erfahrner Kriegsmann,welcher in seinem Köpfe eine vollkommene Charte vonFlandem hatte, und den die Vortheile eines jeglichenPlatzes desselben unverborgcn waren. Der Canzler warnicht gewachsen ihn zu widerlegen. Mithin wurde der-selbe überredet, daß Ludwig der XIV seit dem pyrrhenäi-schen Frieden wohl zehen Plätze für einen innen habe,welche ihm einen viel großem und sicherern Weg in das