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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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Jahrhundert, XI Capitel. 41,

te war. Er ließ nichts als die Gründe gelten, welcheein stolzes und gebieterisches Ministerium noch endlichwollte zu vernehmen geben. Dieser vortreffliche Staats«Unterhändler ist es vornehmlich, dem das Cabinet vonFrankreich , die von demselben überall vestgefaßte Einbil-dung und Vorurtheile zu danken hat, welche demselbendas Ansehen der Ueberlegenheit vor dem Cabinete von al-len Hosen, auch sodann, wann dasselbe nichts als Fehlerbegehet, erhalten hat.

§. 2. Frankreichs Interesse, in Absicht auf aride«

re Machte, nach dem pyrenäischen Frieden.

Frankreich befände sich nach dem pyrenaischen Frieden -

in der glücklichsten Beschaffenheit, als es jemals gestan-den. Dasselbe hatte das Haust Oesterreich geschwachet;und ganz Europa dankte es demselben, als für einen derallgemeinen Freyheit geleisteten Dienst. Frankreich eig-nete sich die allerreichfte Beute, von einem Aste sowohlals dem andern -zu; und Europa bezeigte keine Unruheüber den gewaltigen Anwuchs der Macht dieser Krone.Das gewonnene Elsast sehte ihre Gränzen von Seitendes Reichs in Sicherheit; und vermög der streitigen Un-tersuchungen die derselben unvermeidlich waren mit so vie-len Städten, die sich ihre Freyheiten und Reichsimmu-nitäten vorbehalten hatten, konnte sie sich bey dem teut-schen Staatskörper nach eigner Wahl geliebt oder gefürch-tet machen. Leopold, welcher auf dem kaiserlichen Thro-ne seinem Herrn Vater, Kaiser Ferdinand dem UI gefol-get, war ein junger Prinz, der sich der Geschäffte nochnicht mit Ernst annahm; er war seiner Religion mit all-zugrossem Eifer der Heiligkeit ergeben, von den Jesuitenauferzogen, und schiene, die Hochachtung und Erkennt-lichkeit der Mönche höher zu schätzen, als die Ergebenheitder Edlen in seinen Staaten, den Rosenkranz dem Scep-ter , und die andächtigen Umgänge den Musterungen derArmeen vorzuziehen. Seine Macht hatte sich noch nicht

wie-