Buch 
Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
Entstehung
JPEG-Download
 

4IO Staatsgeschichte von einem

munterung zu den Künsten, die Hoffarth, der herrlich«Pracht, und der gute Geschmack, sollten die Frucht vondem Vertrauen, so der König auf den Colbert geworfen,seyn. Es konnte nicht fehlen, das; der Tellier und Lou-vois demselben nicht eine Ehrbegierde nach Eroberungeneinflösen sollten. Dem Lyonne hatte es zugestanden dieEindrücke welche seine drey Collegcn bey dem Könige Lud-wig dein XIV machten zu mäßigen. Dieser kannte dieausländischen Angelegenheiten, die Kräften, und das In-teresse von den Mächten; und wann er dem Könige dieGefahr begreiflich gemacht hätte, ganz Europa unwilliggegen sich zu machen, so hätte er ihn wohl bewegen kön-nen, etwas nachzulassen, ja er hätte ihn wohl garvordemangemaßten Stolz und dem hochmüthigen Trotz verwah-ren können, wodurch er die Früchte seiner Staatsklug-heit endlich verlohren, und wodurch seine Politik bestän-dig ungestalt wurde. Aber Lyonne unterstünde sichs nichtalleine dem Strom zu widerstehen; und wie ein viel ge-schickterer Hofmann als getreuer Staatsdiener, bestärkteer aus Gefälligkeit einen Hauptfehler, über welchen ersich nicht würde haben aufhalten dörfen, ohne Gefahr zulaufen, seine Gunst beym König zu verlieren. Unterdes-sen da dieser Trotz und Stolz nicht auf einmal ihre Höheerreichet, so gewann die Staatsklugheit der neuen Re-gierung doch Zeit sich rechtschaffen hervor zu thun. DerGraf von Estrades, dem seine Gesandtschaften nach En-gelland und in die vereinigten Provinzen, die allerwich-tigsten Angelegenheiten in die Hände lieferten, unterließnicht seinen Herrn in seinem, ihm am allerwenigsten vor-theilhasten, Licht zu betrachten, worinnen er sich ihm sel-ber blos stellte. Er verbarg dem Könige von Engellandund dem Pensionarius von Holland, die Stärke von denan ihn ertheilten Auftragen, worinnen der junge Königsich zu natürlich darstellte. Er verschwieg oft die Dro-hungen, und ließ den Ton der Uebermacht nicht erschal-len , welche diejenigen würde aufgebracht haben, welchezu verführen oder zu betrügen, sein aufgehabtes Geschäff-