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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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4i8 Staatsgeschichte von einem

rend daß das französische Ministerium nichts zu thun hat-te, als sich zu hüten, einige Schwachheit oder Schüch-ternheit blicken zu lassen, um sich in der Hochachtung vonbeiden Mächten zu erhalten. Lyonne und Estrades dien-ten damals ihrem jungen Monarchen nach seinem Ge-schmack. Der Eanzler Hyde hatte Kundschaft von derberuffenen Ausfertigung, welche uns den Geist und denCharakter Ludwigs des XIV abbildet. Er erkannte: manmüsse sich entweder nach dieses Monarchen Willen fügen,oder mit ihm brechen; und die Gefahr, so sich bey Er-wählung des letztem einsehen lies;, bestimmte ihn, das er-stere zu ergreifst» x). Man will eben- nicht schlechterdingsbehaupten, daß der Vorzug, den derselbe bey dem VerkaufDünkirchens diesem Könige zugestanden, eine Folge vondieser Wahl gewesen seye. Aber es ist statthaft, daß eraus Ergebung in ein nothwendiges Uebel, demselben inseinen Absichten auf das spanische Flandern mit Anhand-gebung vorgekommen; und daß er sich wollte ein Ver-dienst dadurch machen, ihm in diesem Stück Anschlagezu geben, welche, so überflüßig sie auch waren, ihn dochzu einiger Erkenntlichkeit veranlassen könnten. Besagtes,den 25 Jänner 1662 vom König Ludwig dem XIV anden Grafen von Estrades /) abgefertigtes, Schreiben stel-let den lebhaftesten Abriß, von der mißlichen Stellungdes König Carls, und von der grossen Verlegenheit, wor-ein die französische Staatskunst desselben Räthe gestürzet,vor. Wann das Vorurtheil geringer wider diese wäre,so möchte dasselbe ihre Entschuldigung an die Hand geben.Die vornehmsten Stellen darinnen lauten also :das,was ich aus dem Jnnhalt eures Berichtes angemerkethabe, schreibt Ludwig der XIV seinem Minister,be- stehet darinnen, daß mich der König, mein Bmder,samt denen, deren Rathschläge er sich bedienet, nochnicht recht kennen, wann sie aus einem hohen Ton mitmir sprechen, und eine gewisse Art der Standhaftig-

»keit,

» ) Innres ä' Lstracles 1.1. p. Z 56 . eben daselbstx. ivo.