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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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486 Staatsgeschichte von einem

ter Fähigkeit begabte, Prinz, der vor und nach der Ab-wertung des spanischen Jochs, mit jener Krone gute Be-dingnisse treffen konnte, ließ sich an dem gegebenen WortLudwig des XIII, von seinem Beystande , genügen. Erzeigte so wenig Eifer wider Spanien und so wenig Ge,fchicklichkeit zum Kriege, daß Richelieu und Mazarin. die Zerstreuung, die er gute Gelegenheit gehabt hätte demgemeinen Feinde zu machen, durch ihn zu vermehrennicht der Mühe werth achteten. Diese beiden Staats-männer betrachteten Portugal! nicht sowohl als einen ge-fährlichen Feind, als vielmehr nur wie einen unbequemenNachbarn chr Spanien; und ihre Politik versprach sicheinzig und allein die Besorgnisse, welche das spanischeMinisterium wegen deßelben hatte, beständig anhaltendzu machen. Gleich bey den münsterischen Friedensun-terhandlungen schlug Mazarin die getroffenen Verbindun-gen Frankreichs mit dem Hause von Braganza hoch an.Aber sobald er daran verzweifelte, die Spanier überre-den zu können, daß deßen Aufopferung, die man an demKönige seinem Herrn begehrte, verdiene, durch den Ver-tausch der Niederlande gegen die Grafschaften Roußilionund Catalonien belohnet zu werden; so wendete er sich aufeinmal wieder an die Portugiesen; und da er nicht zu-ließe , daß man ihren König dem Herzoge von Lothringengleich achtete, als deßen Bevestigung auf dem Throneder Vergeltunqspreiß für die Wiedereinsetzung des Her-zogs Carl in seine Lande hatte seyn sollen, so tröstete ersie durch die glänzendeste Hoffnung. Bey den pyrenäi-schen Traktaten zog er das Haus von Braganza öffentlichauf c). Nachdem er dem Don Louis seine Gleichgültig-keit in Ansehung Portugallö hatte merken lassen, bezeugteer öffentlich, daß er von Seiten des Königs seines Herrnangeboten habe, an die Krone von Spanien alle die vonihr gemachten Eroberungen, seit demAnfange des Kriegs,wieder abzutreten, und die Gränzen von Frankreich aufdem Fuße zu setzen, wie dieselbe der Friede zu Vervins

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