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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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Jahrhundert, Xlll.Capitel. 487

bestimmt hätte, wann sich Philip der IV bequemen woll-te / mit dem Nachfolger des Königs Johannes des IV,als ein König mit einem andern Könige, zu traktiren. Erscheute sich nicht den spanischen Minister, als Zeugen vonder Wahrheit dieses Vorgangs, anzuführen. Unter-

deßen widersprach er zur nehmlichen Zeit, und leugnetegegen den portugiesischen Minister schlechterdings, daßFrankreich jemals versprochen habe, keinen Frieden mitSpanien zu schließen, ohne Portugall zugleich mit ein-zuschließen: ja er hatte kein Bedenken zu behaupten, daßwann auch dem Hause von Braganza von den Königenvon Frankreich dieses Wort wäre wirklich gegeben worden,so hätte daßelbe sie wieder von der Verbindlichkeit losge-macht , durch die schlechte Vergeltung, womit es ihre Ge-> wogenheit würde bezahlet haben, durch die Mutlosig-keit und Langsamkeit in seinen Kriegsunternehmungen,und durch das gar wenige, so es in dem ganzen Kriegevon dem seinigen angewendet habe. Eben damals machteer auch den Staatssekretair von Brienne sehr herun-ter , weil er sich damit abgegeben hatte, Portugall mitden Holländern auszusöhnen. Der Schlüssel zu dieserschändlichen Doppelzüngigkeit des Mazarins findet sich inseinem Charakter. Frankreich, welches gleich damals andie Ansprüche dachte, die ihm die Jnfantinn Königinnauf die Niederlande mitbrächte, hatte zu wünschen, daßein Bundsgenosse, der nicht im Stande war einen Kriegfortzuführen, wofern es demselben die Unkosten nichtschösse, durch einen Frieden, Zeit, sich zu verstärken, er-halten möchte. Aber der Cardinal, dem der Friede derLeichtigkeit die Finanzen zu bezwacken, ohne deßen über-wiesen werden zu können, beraubte, schaßte, daß dieSubsidien, die man nach Portugall würde schicken müs-sen, ihme, so zu reden Schleusten zurichten würden, dieer nach seinem Willen eröffnen könnte. Da er gewohntwar, dem Urtheil der Welt von ihm, zu trotzen, so blieber bey dem Bezeigen des Herrn de Thou, des französi-schen Ambastadeurs im Haag, dessen, Aufsehen erregen-

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