Buch 
Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
Entstehung
JPEG-Download
 

512 Staatsgeschichte von einem

das Pompone den Generalftaaten gethan, sie als Schieds-richter zwischen dem Könige Ludwig und der spanischen Re-gierung, in Ansehung einiger Schwierigkeiten über dieVollstreckung des aachener Traktats, anzunehmen. Derenglische Monarch gerieth in Sorgen, daß er, wann Frank-reich sich wieder mit der Republik in ein gutes Verneh-men seHete, demselben unentbehrlich zu seyn aufhören dürf-te. Als die Furcht seine Pension zu verlieren, und derAnschein, dafür eine gleiche Vergeltung zu erhalten, wanner standhaft bey der Tripleallianz halten würde, ihn wan-kend machten, bedienten sich die beiden Marquis des Au-genblicks von dieser Unentschlossenheit, und trugen ihm an,selbst das Amt eines Schiedsrichters in der besagten Sa-che auf sich zu nehmen, und dadurch eine noch größere Be-lohnung oder Pension zu verdienen. Sie fanden damitGehör. Leighton wurde nach Frankreich abgeschickt, mitdem Auftrag, die Unterhandlung davon einzuleiten. Die-ses Werk war zu schwer für die Fähigkeit dieses Agenten,dessen ganzes Verdienst in seiner großen Ergebenheit ge-gen den Herzog von Buckingham bestünde. Ludwig derXIV vernahm dessen Anbringen; und wohlzuftieden, daßer Earln zu diesem ersten Schritt bewogen sahe, hielt erfür nöthig, um ihn auch zu den übrigen Vorschreitungenzu bringen, alle mögliche Bewegungskünste zu gleicherZeit anzuwenden. Carl liebte die Prinzeßinn Henrietteseine Schwester zärtlich, die an den Monsieur 79) ver-mählet war. Er hatte eine entschiedene Neigungzur Liebe, und widerstünde den Reitzungen derSchönheit gar selten. Seine Verschwendung erwecktein ihm eine so große Geldbegierde, daß sie dem Geitz ganzgleich kam. Die Madame, seine Schwester, wurde ihmzugeschickt mit einem Gefolge, das aus dem schönstenFrauenzimmer von Frankreich bestanden ist. Man gabder Prinzeßinn ein verschlagenenes Frauenzimmer r)

(Fille

») Die Mademoiselle de Montalais, Unterhandlerinn inden Liebeshättdeln der Madame, der de la Valiere undder Madame de Montespan.