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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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Jahrhundert/ XIV. Capitel. 51Z

(Fille d' intrique), welches, durch große und glücklicheErfolge ihrer listigen Unternehmungen / bewahrt war/ alsRathgeberinn zu. Eine junge Bretagnerinn/ die alleihre Gefehrtinnen an Annehmlichkeiten übertraf/ Ehren-dame bey der Prinzeßinn/ hatte genaue Anweisung/ dasHerz des König Carls ja nicht zu verfehlen; und der Mar-quis de Croissi wurde mit Geld versehe«/ wie auch mit ei-ner völligen Vollmacht zur Abschließung des Traktats,den diese außerordentliche Gesandschast entwerfen würde.Es war iun Monat April des Jahrs 1672/ daß die Ma-dame den Auftrag zu ihrem Vornehmen bekam. Umdenselben der Welt besser zu verbergen / unternahm Lud-wig der XIV mit seinem Hofstaat eine Reise nach Dün-kirchen. Die Prinzeßinn gab vor / daß die nahe Nach-barschaft die Liebe zu ihrem Bruder den König/ und dasVerlangen ihn zu sehen / vermehre. Carl ließ ihr Ver-langen statt finden/ und gieng ihr bis nach Dover entge-gen / allwo die schöne Bretagnerinn der Beredsamkeit ei-ner zärtlich geliebten Schwester den Triumph verschaffte.Man glaubt/ Carl habe eine Zeitlang über deich zum Uin-sturz der Republik bestimmten / Zeitpunkt gestritten; unddaß seine Wünsche dahin gegangen waren/ vorher un-umschränkter Herr in Engelland zu werden / ehe er sichzur Unterdrückung der Freyheit der sieben vereinigten Pro-vinzen / rüsten müste. Dem sey aber wie ihm wolle/ ge-nug die Madame kehrte nach Frankreich zurück/ in derMei-nung/ ihren vorgehabten Zweck erlanget zu haben. Dieschöne Kerwel verblieb bey ihrem neuen Liebhaber/ mitder Ueberzeugung/ ihrer Vorschrift vollkommen nachge-lebt zu haben; und der Marquis de Croissi brachte dieBundsartikel ins Reine/ von deren Unterzeichnung diebenannte Schönheit die Versicherung war. Man weißden Tag des Abschlusses nicht L). Aber man weiß den

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H Vaderl. Hist. Th. XUl. S. 410. Basnage 1 . U-

yy) Philip den Herzog von Orleans des Königs Bruder.

Erster Theil. K k