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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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5zo Staatsgeschichte von einem

seines Königes mit der Republik auf zu geben. DieFranzosen erkannten, daß Carl nicht chendcr ruhen wür-de, als bis er die republikanische Parthey würde zernich-tet haben; und die Versprechungen des Königs von En-gelland schienen ihnen nicht von der wichtigen Beschaffen-heit zu seyn, sie, wegen des bisherigen Emfiusseö in dieProvinzen, zu entschädigen, den sie verlieren würden, sobald er ihnen einen Statthalter würde gegeben haben.

Der Krieg lief nicht so glücklich, als es Carl gehoffethatte e). Mitten unter den Unruhen, welche die Waffendein van Witt erwecken sollten, soll dieser kühne Mann,wie man sagt, Ludwig dem XlV vorgeschlagen haben, znmachen, daß der junge Prinz von Oranicn aus den Lan- >den der Republik entweichen müste, und er trauete sichAnsehen und Credit genug zu, das Dekret hierzu sowohl,als die Vollstreckung deßelden, auszuwirken. Er zwangeinige voetianische Prediger zum Stilleschweigen, welchedem Volke die göttliche Rache, wegen seiner Undankbarkeitgegen das Haus von Oranien, bedrohlich ankündigten. Eruntergrub die Bemühungen des englischen Ministers,Downing, die er sick/in den Städten gab; und obgleichdie zwo Provinzen von Holland und Utrecht die einzigenwaren, welche es mit ibme gegen die fünf übrigen hiel-ten , machte er doch, daA in der Staatenversammlung derSchluß fiel, viel lieber einen ewigen Krieg zu führen, alseinen Frieden anzunehmen, in welchem die Wiederauf-richtung der Statthalterschaft die erste Condition seyn soll-te. Als man dem Bischof von Münster eine Armee ent-gegen stellen muste, so sehte er dem Prinz Johann Mo-ritz von Nassau, den er derselben zum Feldherrn gegeben,Deputiere vor; und als die Ungelehrigkeit des JohannMoritzens die Staaten bewegen wollte, einen General vonder Abhängigkeit, in welcher ihn die Abgeordneten hiel-ten , zu befreyen »); van Witt aber die Gefahr empfändeweiter nur emer Parthey säuberlich zu verfahren, von

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-) IVIemvir. äs Ouiclls. Introcl. «) Uettrcs ä' Mraäer.