550 Staatsgeschichte von einem
Unterdessen, da die Statthalterischen in einer Wochedie zwanzigjährige Arbeit der Staatsklugheit umstürzten,muste sich der Pensionarius zu Hause wegen seiner bekorn-menen Wunden aufhalten, und es schien, als ob man ver-gessen hätte, daß er noch lebte. Seine Gemüthsart, undselbst seine Ehre erlaubte ihme nicht, dem Beyspiele derVornehmsten von seiner Parthey nachzufolgen, und sichin die Zeit zu schicken e). Aber wann er sich den Augendes Volkes durch eine schleunige Entfernung entzogen hät-te, vielleicht wär er seines letzten Unglückes, und derPrinz des Vorwurfs von einer barbarischen Handlungüberhoben geblieben. Er hielte eine Schwachheit für ei-nen Zug der Tugend; und die Unbeweglichkeit, wel-che der Ursprung seiner meisten Fehler war, brachteihm auch den gänzlichen Untergang zuwege. Derweilendaß eine grosmüthige Verachtung ihn gecechtfertiget undgerochen würde haben, gegen und von allen Spöttereyenund Verleumdungen, wollte er wegen der Anklage, dievon weiten nur gegen ihn erhoben ist worden, als ob ergemeine Gelder entwendet hätte, gerichtet seyn; und erverschub, bis nach den Ausgang dieses Processes, die Ent-lassung seiner Aemter. Die statthalterisch Gesinntenfürchteten ein Haupt von einer Parthey, welches, da esauf dem Sprunge stünde gänzlich zu Boden geschlagen zuwerden, sich doch noch wagte auf die Hochachtung desVolkes Anspruch zu machen, und seine Feinde heraus zufordern, ihme dieselbe zu entreißen. Sie glaubten, es müsseihm noch an Hoffnung und Hülfsmitteln nicht fehlen: undsie sahen keine Sicherheit für sich ausser in seinem Tode.Die, zum Ausspruch über seine Verwaltung aufgeforder-ten , Staaten, hatten noch so viel Hochachtung für ihn,ihme Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen. Der Prinz,deßen Gemüth damals ohne Zweifel zu sehr in Bewegungwar , als daß er das Interesse seines Ruhms, von dem-jenigen, was man ihm als einen Eigennutz seines Ehrgei-Hes anrechnete, hätte unterscheiden können, faßte in ganz
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«) Daderl. Hist. D XIV. x. izS-r8/.