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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
Entstehung
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Jahrhundert, XVI. Capitel. 557

eine Gleichheit, welche sie schon seit dem ersten Treffer»vestgesetzet hatten; und der Vortheil von den Seeschlach-ten, welche sie lieferten, war allezeit für die englischen Ad-mirale ein Ratzel.

Ludwig der XIV, der von seinen Unterthanen höhergeschahet wurde, und bessern Gehorsam erhielte, als seinAlliirter, wurde von seinem Volke und von seinen Ar-meen mit Vergnügen bedient. Gibt es wenige Exempelvon einer kleinen Unternehmung, worzu man die fürchter-lichsten Vorbereitungen gemacht, so giebt es ihrer nochviel wenigere, von eben so schneller und eben so glücklicherVollziehung. Er hatte sich in der Mitte des MonatsMay an die Spitze seiner Armee gestellt; und den 20Junius hatte er sich schon Utrechts bemächtigt. Die Be-stürzung war allgemein in den übrigen Provinzen. Erwürde die ganze Republik haben erobern können, wennnicht ein unwissender und von einem besondern Eigennutzbeherrschter Minister bey ihm mehr gegolten hatte , alszween Generals von der höchsten Fähigkeit. Turenneund Conde waren der Meinung gewesen, die erobertenPlatze, sobald man sich derselben bemächtigt hatte, zuschleifen, um die Truppen beysammen zu behalten. Lou-vois aber hatte eine ganz entgegen gesetzte Meinung. Daer sich schmeichelte, daß man so viele Städte gewinnenwürde, deren Eroberung der König, wie er sich einbilde-te , von ihm herleiten würde, so wollte er, daß sie er-halten , ja gar bevcstigt, und durch gute Besatzungen be-wahret werden sollten. Die Armee wurde dadurch ge-schwächt , und Ludwig der XIV, der genöthigt wordenseyn würde, sie wieder zu räumen, um sich den Teutschenund Spaniern entgegen zu stellen, wenn sie sich wurdengelüsten lassen, der Republik zu Hülfe zu kommen, betrogdadurch weder die einen noch die andern mehr, welche garwohl begriffen , daß, um die Provinzen von dem Aufent-halt der französischen Armee zu befreyen, sie nur Minemachen dürften, derselben zu Hülfe zu kommen.

Z. 2.