Jahrhundert, XIX. Capitel. 699
§. 2. Streitigkeiten Ludwigs des XIV mit dem
Pabste Jnnocentius dem XI.
Die Mitglieder der augspurgischen Ligue sagten sicheinander/ daß der Pabst das Haupt ihrer Verbindung sey;und in der That/ da die Begierde/ sich an Ludwigen denXIV zu rächen, die Seele davon war/ so war es wahr-scheinlich genug / daß der Prinz, welcher den lebhaftestenUnwillen gegen diesen Monarchen hatte / der Gelegenheitsich zu rächen nicht widerstehen würde. Jnnocentius derXI (Odeschalchi) hatte wenig Geschicklichkeit und Wissen-schaft/ einen Hochmuth/ der ihm natürlich war, und ei-nen unüberwindlichen Eigensinn. Er war ein gebohrnerMayländer und durch einen Weg zur Cardinalswürde ge-kommen <?), welcher schlechte Hoffnung machte, daß erjemals ein heiliger Pabst werden würde ä). Da Frank-reich 1681 Casal bekommen hatte, so machte dieses, daßder stolze Pabst fürchtete, es möchte diese Krone den hei-ligen Stul von sich abhängig machen wollen; und ehe die-selbe noch Zeit gehabt hatte, sich in Italien zu verstärken,wollte er den Respekt, den er von ihr forderte, vestsetzen.Ein inländischer Handel einiger jansenistischen Bischöfe,welche sich Mühe gaben, sich durch Vertheidigung desWeltlichen ihrer Kirche hervorzuthun, gab ihm den erstenVorwand an die Hand. Ludwig der XIV, den die Jesui-ten anftischten, glaubte gleiches mit gleichem vergelten zumüssen. Er ließ dem Pabste die allgemeine Gerichtsbar-keit widersprechen, welche ihm das Regale strittig mach-te: die Clerisey erneuerte die vier Sätze vomJahre i66z,welche den Pabst aus einem souverainen Herrn zu einemblosen Bischof von Rom machten. Da seine Heiligkeitan einem so empfindlichen Orte angegriffen worden, so be-
fürch-
Seligsprechung ist zu Rom wirklich auf dem Tapet»Die Congregation hat ihn bereits in die Classe der Ehrewürdigen gesetzt, ungeachtet des vielfältigen Wider»spruchs von Frankreich.