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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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Jahrhundert, XIX. Capitel. 70z

dergestalt, daß man zu einer andern Wahl schreiten mu-ste. Der Prinz Clemens von Bayern, ein Bruder deöChurfürsten, stellte sich als ein Mitwerber des Kardinalsdar. Er war Bischof von Regenspurg, so wie Fürsten-berg von Straßburg, und die Kirchengefetze, welche allebeide für unfähig, auf ordentliche Weise erwählt zu wer-den 86), erklärten, forderten zur Gültigkeit der Wahl,daß ein Candidat dieser Würde zwey Drittel der Stim-men für sich haben müste. Clemens hatte einen Nachtheil,welcher seinem Mitbuhler die Oberhand über ihn zu gebenschiene: er war erst siebenzehen Jahre alt. Aber derPabst, welcher von dem Kardinal gedachte, er wäre sol-chergestalt Ludwigen zugethan, daß der König die Stösseempfinden würde, die man dem Kardinal geben würde,eilte, ein Breve von der Tüchtigkeit zur Wahl zum Be-sten des Clemens auszufertigen. Vermöge dieses Frey-heitsbriefs wurde dem Prinzen weder seine Jugend, nochseine vorige Pfründe, mehr angerechnet. Er konnte er-wählt werden, wenn er nur eine einzige Stimme von de-nen , welche seinem Mitwerber an den zwey Dritteln ab-giengen, hatte. Sieben Stimmen würden ihn also habengewinnen lassen gegen siebenzehn 87), weil das Capitelaus vier und zwanzigen bestünde. Nun hatte er aberneun, und der Kardinal nur funfzehen: daher wurde erausgeruffen, und eingeweihet. Der Kaiser und die Ver-bundenen hatten sich unglaubliche Mühe gegeben, um ihrheimliches Verständniß so weit zu treibe^ und Ludwiggab ihnen Schuld, daß dem, den er in Schutz genom-men , so übel gelungen.

Man

gimdigseyn, wem er gnädigseyn wolle, ohne daß er des»wegen einer Ungerechtigkeitkonnte angeklaget werden.

87) Der Verfasser hat ver-muthlich dreyzehn an statt sie-lenjehn schreiben wollen, dann

sonst ist die Rechnung sehrfalsch. In der That habenauch den tzürstenberg nur rzStimmen postuliret, gegenweiche 7 pravaliret habenmöchten. S. Lheatr. Europ.'1. X1U. all ll. a. 1