Jahrhundert, XIX. Capitel. 70z
dergestalt, daß man zu einer andern Wahl schreiten mu-ste. Der Prinz Clemens von Bayern, ein Bruder deöChurfürsten, stellte sich als ein Mitwerber des Kardinalsdar. Er war Bischof von Regenspurg, so wie Fürsten-berg von Straßburg, und die Kirchengefetze, welche allebeide für unfähig, auf ordentliche Weise erwählt zu wer-den 86), erklärten, forderten zur Gültigkeit der Wahl,daß ein Candidat dieser Würde zwey Drittel der Stim-men für sich haben müste. Clemens hatte einen Nachtheil,welcher seinem Mitbuhler die Oberhand über ihn zu gebenschiene: er war erst siebenzehen Jahre alt. Aber derPabst, welcher von dem Kardinal gedachte, er wäre sol-chergestalt Ludwigen zugethan, daß der König die Stösseempfinden würde, die man dem Kardinal geben würde,eilte, ein Breve von der Tüchtigkeit zur Wahl zum Be-sten des Clemens auszufertigen. Vermöge dieses Frey-heitsbriefs wurde dem Prinzen weder seine Jugend, nochseine vorige Pfründe, mehr angerechnet. Er konnte er-wählt werden, wenn er nur eine einzige Stimme von de-nen , welche seinem Mitwerber an den zwey Dritteln ab-giengen, hatte. Sieben Stimmen würden ihn also habengewinnen lassen gegen siebenzehn 87), weil das Capitelaus vier und zwanzigen bestünde. Nun hatte er aberneun, und der Kardinal nur funfzehen: daher wurde erausgeruffen, und eingeweihet. Der Kaiser und die Ver-bundenen hatten sich unglaubliche Mühe gegeben, um ihrheimliches Verständniß so weit zu treibe^ und Ludwiggab ihnen Schuld, daß eü dem, den er in Schutz genom-men , so übel gelungen.
Man
gimdigseyn, wem er gnädigseyn wolle, ohne daß er des»wegen einer Ungerechtigkeitkonnte angeklaget werden.
87) Der Verfasser hat ver-muthlich dreyzehn an statt sie-lenjehn schreiben wollen, dann
sonst ist die Rechnung sehrfalsch. In der That habenauch den tzürstenberg nur rzStimmen postuliret, gegenweiche 7 pravaliret habenmöchten. S. Lheatr. Europ.'1. X1U. all ll. a. 1