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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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7!4 Staatsgeschichte von einem

Schon im vierten Jahre des Krieges hatten die fran»zösischen Ministers an den Höfen die Friedensvorfchlagedes Königes hören lassen , und man hatte sich geweigert,sie anzuhören; ob sie gleich davon redeten, daß man der. iigue eine Genugthuung verschaffen wollte, indem dieSachen auf den Fuß des nimwegischen Friedens gesetztwerden sollten. In den drey folgenden Jahren passetensie, um eine Gelegenheit zu ergreifen, mit einer von denverbundenen Machten Zusammenkünfte anzufangen. Siemachten sich an alle die, so weniger Eigensinn und mehrEifersucht hatten, indem sie ihnen den allervortheilhaftestenbesondern Traktat anboten. Der Churfürst von Bayernschiene sich gewinnen zu lassen, aber der schlechte Schein,damit hinaus zu langen, bewegte ihn, die Zusage seinerguten Dienste wieder zurücke zu nehmen. Spanien setzteallem Ansuchen seine Verbindungen beständig entgegen.Der Kaiser, der sich seinem Haß und seiner Hoffnungüberließ, weigerte sich, dieselben seinem wahren Nutzenaufzuopfern; und Wilhelm, der in Engelland und Hol-land in gleichem Ansehen und Credit stunde, sonderlich,wenn es Ludwig den XIV betraf, gab nicht zu, daß mandaselbst irgend einen Entwurf untersuchte, welcher Frank-reich im Stande ließ, sich noch einmal fürchterlich zumachen.

Da aber gleichwol der König mit seinen Eroberun-gen überladen war, so befürchtete er, er möchte genöthigtwerden, sie zu verlassen; und wollte Frieden haben, "da-mit er aus ihrer Zurückgabe Nutzen ziehen könnte. Erbegriff die Nothwendigkeit, den Beystand eines von denLigisten zu erkaufen, um dem andern mit Nachdruck be-gegnen zu können. Der Herzog von Savoyen war einervon den Alliirten, welchem Louvois vor allen andern dengrößten Schimpf angethan hatte. Der Minister hatteibm keine Ärahl unter der Unterwerfung oder dem Krie-ge gelassen. Er war aber auch derjenige unter den Wür-fen, welchem her König die größte Wiedererstattung thun

konnte,