Jahrhundert, XIX. Capitel. 715
konnte, und derjenige, den ein solches Anerbieten amleichtesten verfuhren konnte. Die Lage seiner Staaten,welche seine Allianz nützlich und seine Feindschaft fürch-terlich macht, setzte ihn vor dem Unwillen des Kaisersundder Seemächte sicher, und also durfte er nicht so behut-samgehen, als die andern Alliirten hätten thun müssen.Die gänzliche Räumung von Piemönt und Savoyen,die Zurückgabe des geschleiften Pignerols, die Verlaffungdes niedergerissenen Casal, die Ehrenbezeugungen wie ge-gen gekrönte Häupter, die Vermählung einer savoyischeuPrinzessinn mit dem Herzoge von Bourgogne, und vierMillionen baar, in Gestalt einer Schadloshaltung fürdas, durch den Krieg angerichtete Elend, das waren dieVorschläge, unter welchen Ludwig der XIV ihm einen be-sondern Vergleich anbot. Er nahm sie, ohne sich viel zubedenken, an; und, um seinen Abfall vor den Ligiften de-sto besser zu verbergen, so erneuerte er seinen Beytrittzuder grossen Allianz. Sein Traktat, welcher gegen dasEnde des Junius im Jahre 1696 unterzeichnet worden,wurde in der Mitte des Julius, unter dem Namen derNeutralität von prallen, bekannt gemacht. Beyso gar guten Vorschlägen hatte der Graf von Tesse, fran-zösischer Bevollmächtigter zu Turin, nicht viel nöthig,sich durch Kunstgriffe zu helfen. Der Ruhm dieser Un-terhandlung hatte keine Gleichheit mit dem grossen Nutzenderselben.
Diese Neutralität von Italien war es aber wirklich,welche die verbundenen Prinzen zum Frieden geneigtermachen muste. Da Ludwig der XIV vom Herzoge vonSavoyen in einem geheimen Artikel des Traktats erhal-ten hatte, daß er sich für den Generalißimuö der franzö-sischen Armeen zum Frieden Italiens erklärte, so war ersicher, die Kaiserlichen bis in die tyrolischen Gebirge zu-rücke zu treiben, und selbst in Mayland die Spanier zunöthigen, einen Traktat für sich zu machen. Und wirk-lich war der Herzog nicht sobald ins Feld gegangen , als