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Staatsgeschichte von einem Jahrhundert : worinnen sich, nach ihrer Ordnung und verschiedenen Verhältnissen, das Interesse, die Absichten, und das Verhalten der vornehmsten Mächte von Europa seit dem westphälischen Frieden 1643, bis nach dem geschlossenen aachener Frieden im Jahr 1748 angezeiget finden / [Jean Henri Maubert de Gouvest] ; aus dem Französischen mit fleissiger Prüfung übersetzt [v. Johann Gottfried Bernhold]
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722 Staatsgeschichte von einem

Zwanzigstes Capitel.

Kurzer Auszuq der ungarischen und pol-nischen Begebenheiten. Carlowiizischer Frie-de mit den Türken, im Jahre 169z-.

_ §. 1. Bezwingung der Ungarn.

S^^ie Wiedererlangung von Freyburg und Dreyfachschiene der geringste Vortheil des ryßwickischenFriedens für den Kaiser zu seyn. Der Türk war nichtim Stande, wider die ganze kaiserliche Macht, welche sichwieder vereinigen konnte, auszuhalten. Er war von denkaiserlichen Armeen, welche seit funfzehen Jahren die öf-teren Siege voller Muth und Vertrauens gemacht hatten,bis in die Bulgarey gejagt worden, und war nicht glückst,cher gegen die Venetianer, welche Morea nebst einer An-zabl von Plätzen in Dalmatien erobert und seine Machtzur See gänzlich ruinirt hatten. Die Moscoviter hattenihm Assof weggenommen. Polen ließ unter dem Chur-fürsten von Sachsen, ihrem neuen Könige, die sächsischeInfanterie zur polnischen Cavallerie flössen. Alles ver-kündigte den Untergang des ottomannischen Reiches, unddie Ehre davon schiene Leopolden aufgehoben zu seyn.Aber dieser Herr, der sich seiner Eifersucht gegen Frank-reich überließ, wüste die Vermehrung seiner Länder ineiner so großen Entfernung nicht nach ihrem wahren Wer-the zu schätzen. Uebrigens gab er alle Hoffnung auf, je-mals an den Ungarn wohlgeneigte Unterthanen zu haben.Die Stände hatten sich merken lassen, daß sie mit Wi-derwillen die Krone für erblich erklärten: er machte sichauf ihren Gehorsam keine Rechnung, als nur in so weit,als sie durch seine Truppen im Zaum gehalten würden;und wenn er beständig wider den Türken Krieg führete,