Jahrhundert, XX. Capitel. 72z
so befürchtete er, sich selbst in die Nothwendigkeit zu ver-sehen, daß er allezeit seine vornehmste Macht in Ungarnhaben, oder wohl gar selbst den Ungarn die Waffen in dieHände geben müste. Da die umständliche Beschreibungdieses vierzigjährigen Ringens der kaiserlichen Räthe mitdem ungarischen Adel zu der bürgerlichen Geschichtegehört, so werde ich mich begnügen, hier nur einen kur-zen Auszug davon zu ertheiln, welcher unentbehrlich istzur Erkenntniß der österreichischen Macht in der zweytenHälfte dieses Jahrhundertes.
Da die Capitulation, welche Leopold eingehen muste,um die Kaiserkrone zu erhalten, seinem Staatsrath gezeigthatte, wie unmöglich es sey, etwas von langer Dauer wi-der den teutschen-Staatskörper zu unternehmen, so wandtesich die ganze Staatskunst des wiener Hofes gegen Un-garn. Dieses Königreich war, wie es in Böhmen auchgewesen war, in Ansehung der Religion getheilt. Eshatte bey nahe eben diese Freyheiten; und der ungarischeAdel, der mehr Muth als Geschicklichkeit besaß, hattedie Unterdrückung der Böhmen gleichgültig angesehen, sowohl weil er sich schon so mächtig zu seyn glaubte, daßdie kaiserlich:» Ministers sich nicht unterstehen würden zuhoffen, daß sie mit ihm eben so umgehen können würden,als auch, weil in der That der wiener Hof ihm keine Ur-sache gegeben hatte, solches zu fürchten. Ferdinand derIII hatte seinen Prinzen Leopold zu seinem Nachfolger vor-geschlagen , ohne eigentlich zu sagen, aus welchem Grun-de er die Krone auf ihn bringen wollte; und die Ungarnhatten sich gefallen lassen zu glauben, daß er den jungenPrinzen zu einer freyen Wahl darstellte. Es stunde nichtlange an, so merkten sie, dass es ihre Freyheit gelten sollte.Die Bemühung des wienerischen Staatsraths, die Ca-tholicken auf Kosten der Protestanten und mit Verletzungihrer alten Gewohnheiten, zu begünstigen, brachte sie aufden Gedanken, sich zu rüsten, um sich wegen ihrer Be-schwerden Recht zu schaffen. Die Streitigkeiten des
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