724 Staatsgeschichte von einem
Fürsten von Siebenbürgen, Ragotzky, mit den Türkenhatte den Marsch einer grasten Armee veranlasset; dahervergrösscrten die protestantischen Herren zu Wien die Ge-fahr eines Ueberfalls, und die Nothwendigkeit der Zurü-stungei» zum Kriege. Sie »nachten sich darauf Rechnung,daß der Kaiser ikmen Gelegenbeir geben würde, Werbun-gen anzustellen, und mit den eigenen Kräften des Landesselbst für die Vertheidigung des Landes zu sorgen. Sieversprachen sich, so bald sie sich in Kriegsbereitschaft ge-setzt habe»» würden, so würden sie ihren König nöthigenkönnen, »nit ihnen zu capituliren. Aber der kaiserlicheStaatsrath sahe ihre Absichten ein, und, ob er gleich da-mals ziemlich schlecht besetzt war, so bediente er sich dochwider sie eben derjenigen Schlingen, welche sie ihm ge-legt harten. Er stellte sich, als wenn er ihre Furcht »nitihnen theilte,^und die Gefahr so gar dringend zu seynglaubte; er schickte ein Corpo teutscher Truppen nach Un-garn. Da sich die Ungarn in ihrer Hoffnung betrogensahen, führten sie für sich das Gesetz an, welches Verbote,keine fremden Truppen ins Reich zu lassen: und manließ sich in Erklärungen gegen einander ein.
Unterdessen lebten die Truppen, welche nicht bezahltwurden, von dem Lande, und die Ministers erwartetenohne Kummer, daß sie entweder die Ungarn schachmattmachen, oder diese letztem bey ihrer Übermächten Freyheiteinen Aufstand erregen würden.' Man erinnerte sich' zuWien an das Verfahren, welches »nan bey der Unterwer-fung der Böhinen beobachtet hatte; und der Reiz derConfiscation »nachte, daß man eine Aufruhr wünschte.Der ungarische Adel sandte viele Deputationen ab wegender Beschwerlichkeiten, welche die Teutschen dem Landeverursachte»», und »nan befriedigte sie mir Versprechungen,welche »nan nicht willens war, zu vollziehen. Es erhobsich ein kleiner Krieg ohne Verschonen zwischen den Un-garn und Teutschen, deßen Frucht gewesen wäre, daßdiese letzten» mit einander in Stücken zerhauen worden
. wären,