Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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einigkeit leugnet, wie wenn das nichts auf sich hätte,und mißbraucht die evangelische Freiheit. War es nunCalvin nicht den Tausenden und Tausenden schuldig, diefür das reine Wort litten und bluteten, diesen falschenBruder vor den Augen der Welt aus der evangelischenKirche zu stoßen und dem weltlichen Richter zu über-liefern, damit keine Verwechslung zwischen uns und ihmmöglich sei und wir nicht unschuldigerweise fremderGottlosigkeit geziehen werden?"

Chatillon lächelte wehmüthig und sagte: „Da IhrEuer Urtheil über Servedo so trefflich begründet habt,müßt Ihr mir schon den Gefallen thun, diesen Abendbei mir zu bleiben. Ich führe Euch an ein Fenster,das auf die Laurentiuskapelle hinüberschaut, deren Nach-barschaft wir uns hier erfreuen und wo der berühmteFranziskaner Panigarola heute Abend predigen wird.Da werdet Ihr Vernehmen, wie man Euch das Urtheilspricht. Der Pater ist ein gewandter Logiker und einfeuriger Redner. Ihr werdet keines seiner Worte ver-lieren und — Eure Freude dran haben. — Ihr wohntnoch im Wirthshause? Ich muß Euch doch für ein dau-erndes Obdach sorgen, — was räthst Du, Gasparde?"wandte er sich an diese, die eben eingetreten war.