Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
JPEG-Download
 

53

eiserne Ringe gesteckt wurden. Ihr blutiger Schein be-leuchtete die Heraustretenden und erhellte zeitweise auchGaspardes Antlitz, die das Volksgewühle mit Neugierdebetrachtete, während ich mich in den Schatten zurück-gelehnt hatte. Plötzlich sah ich sie erblassen, dann flammteihr Blick empört auf und als der meinige ihm folgte,sah ich einen hohen Mann in reicher Kleidung ihr mithalb herablassender halb gieriger Geberde einen Kuß zu-werfen. Gasparde bebte vor Zorn. Sie ergriff meineHand und indem sie mich an ihre Seite zog, sprach sie mitvor Erregung zitternder Stimme in die Gasse hinunter:

„Du beschimpfst mich, Memme, weil du mich schutz-los glaubst! Du irrst dich! Hier steht Einer, der dichzüchtigen wird, wenn du noch einen Blick wagst!" —

Hohnlachend schlug der Cavalier, der wenn nicht ihreRede, doch die ausdrucksvolle Geberde verstanden hatte,seinen Mantel um die Schulter und verschwand in derströmenden Menge.

Gaspardes Zorn löste sich in einen Thränenstromauf und sie erzählte mir schluchzend, wie dieser Elende,der zu dem Hofstaate des Herzogs von Anjou, desköniglichen Bruders, gehöre, schon seit dem Tage ihrerAnkunft sie auf der Straße verfolge, 'wenn sie einen