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Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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Kirchgängers war der Pfarrer Wilpert Wertmüller, alser, mit Mantel und Kragen angethan, aus dem Thoreseines Hofraums trat, in dessen Mitte hinter einem alter-grauen Brunnen zwei mächtige Pappeln sich leis im Windewiegten. Seine Ueberraschung war eine vollständige;denn Rahel hatte geschwiegen.

Der Pfarrer, ein Sechziger von noch rüstigem Aus-sehen und nicht gerade geistreichen, aber männlichen Ge-fichtszügen, mochte den General als einen versuchtenWaidmann in Wald und Feld wohl leiden; daß er aberseine Erbauung gerade in der Kirche von Mythikonsuchte — das hätte er ihm gerne erlassen.

Je unwillkommener, desto höflicher war der General.Er zog den Hut, dann nahm er den Pfarrer an derHand und führte ihn in den Flur seines Hauses zurück.Gerade in diesem Augenblicke setzte die schöne, morgen-frische Rahel ihren Fuß auf die unterste Stufe derTreppe, sonntäglich angethan und ebenfalls ein kleinesin schwarzen Sammet gebundenes Gesangbuch in derHand.

„Kind, du bist reizend! eine Nymphe!" begrüßtesie Wertmüller. „Lasse dich väterlich auf die Stirnküssen!"