Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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Haare, welche im Ringkampfe mit der Gottheit sich ausden Flechten gelöst hatten. Dazu sang sie vor sich hin,halb traurig, halb neckisch, nicht mit ihrem kräftigen Alte,sondern mit einer fremden, hohen Kinderstimme:

„In das Kloster geh' ich ein,

Muß ein armes Nönnchen sein . . .

jenen Kehrreim parodirend, mit welchem die Bauer-kinder ihrer gespottet hatten.

Das war der Wahnsinn, der sie belauerte, um mitihr in die Zelle zu schlüpfen. Der Optimus Maximusaber bediente sich meiner als seines Werkzeuges undhieß mich, Gertruden retten, koste es, was es wolle.

Auch ich wandte mich in freier Frömmigkeit anjene jungfräuliche Göttin, welche die Alten als PallasAthene anriefen und wir Maria nennen. „Wer duseist," betete ich mit gehobenen Händen, „die Weisheit,wie die Einen sagen, die Barmherzigkeit, wie dieAndern behaupten — gleichviel, die Weisheit überhörtdas Gelöbniß eines weltunerfahrenen Kindes und dieBarmherzigkeit fesselt keine Erwachsene an das thörichteVersprechen einer Unmündigen. Lächelnd lösest du dasnichtige Gelübde. Deine Sache führe ich, Göttin. Seimir gnädig!"