Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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als risse oder wickelte sie sich eine Schlange vom Leibelos, und dann, in höchster Seelenqual selbst die Schamniedertretend: „Was mir taugt," schrie sie, „ist Sonneund Wolke, Sichel und Sense, Mann und Kind."

Mitten im Elende mußte ich lächeln über diesesder Jntemerata gemachte menschliche Geständnis;; abermein Lächeln erstarb mir auf den Lippen. . . . Ger-trude war jählings aufgesprungen und richtete die un-heimlich großen Augen aus dem bleichen Angesichtsstarr gegen die Mauer auf eine Stelle, die ich weißnicht welcher rothe Fleck verunzierte.

„Maria Muttergottes, erbarm dich mein!" schrie siewieder. „Meine Gliedmaßen haben keinen Raum in derZelle und ich stoße mit dem Kopf gegen die Diele. Laßmich unter deinem Kreuze sinken, es ist mir zu schwer!Erleichterst du mir's aber auf der Schulter, ohne mirdas Herz erleichtern zu können, da siehe zu" — und siestarrte auf den bösen Fleck — „daß sie mich einesMorgens nicht mit zerschmettertem Schädel auflesen!"Ein unendliches Mitleid ergriff mich, aber nicht Mit-leid allein, sondern auch eine beklemmende Angst.

Gertrude hatte sich ermüdet auf eine Truhe gesetzt, dieirgend ein Heiligthum verwahrte, und flocht ihre blonden

C. F. Meyer, Novelle». I- 17