I.
In dem Contor eines unweit St. Sebald gelegenennürembergischen Patrizierhauses saßen sich Vater undSohn an einem geräumigen Schreibtische gegenüber, derAbwickelung eines bedeutenden Geschäftes mit gespann-tester Aufmerksamkeit obliegend. Beide, jeder für sich aufseinem Stücke Papier, summirten sie dieselbe lange Reihevon Posten, um dann zu wünschbarer Sicherheit die beidenErgebnisse zu vergleichen. Der schmächtige Jüngling,der dem Vater aus den Augen geschnitten war, erhob diespitze Nase zuerst von seinen zierlich geschriebenen Zahlen.Seine Addition war beendigt und er wartete auf denbedächtigeren Vater nicht ohne einen Anflug von Selbst-gefälligkeit in dem schmalen sorgenhaften Gesichte — alsein Diener eintrat und ein Schreiben in großem Formatmit einem schweren Siegel überreichte. Ein Cornett vonden schwedischen Carabinieren habe es gebracht. Er be-