Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
JPEG-Download
 

III.

Leubelfing erwachte mit einem jähen Schrei. DerMorgen dämmerte und der Page fand seinen König, dersich in einem Zuge kühl und hell geschlafen hatte, in dergelassensten und leutseligsten Laune von der Welt. EinBrief der Königin langte an, der eben nichts Dringlichesenthielt, wenn nicht die Nachschrift, worin sie ihren Ge-mahl bat, zum Rechten zu sehen in einem Fall und ineiner Nöthe, welche der hilfreichen Frau nahe ging. DerHerzog von Lauenburg, ein unsittlicher Mensch, der vorkaum ein paar Monaten eine der vielen Basen der Köni-gin aus politischen Gründen geheirathet hatte, gab öffent-liches Aergerniß, indem er, von den blonden Flechten undWasserblauen Augen seines Weibes gelangweilt, seineFlitterwochen abgekürzt hatte und, in das schwedischeLager zurückgeeilt, eine blutjunge Slavonierin neben sichhielt. Diese hatte er, als ein Wegelagerer der er war,