Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
JPEG-Download
 

95

ich konnte dieselben mißhört haben, oder der tapfereHauptmann war etwas bezecht. Noch unbegreiflicher,ja haarsträubend, erschien mir das Benehmen Boccards,dem ich nie und nimmer einen so schmählichen Verrathzugetraut hätte.

Je länger ich die Sache übersann, in desto beun-ruhigendere Zweifel und unlösbarere Widersprüche ver-strickte ich mich.

Sollte wirklich ein blutiger Plan gegen die Huge-notten bestehn? War das denkbar? Konnte der König,wenn er nicht von Sinnen war, in die Vernichtung einerPartei willigen, deren Untergang ihn zum willenlosenSklaven seiner ehrgeizigen Vettern von Lothringenmachen mußte?

Oder war ein neuer Anschlag auf die Person desAdmirals geschmiedet, und wollte man einen seinertreuen Diener von ihm entfernen? Aber ich erschien mirzu unbedeutend, als daß man zuerst an mich gedachthätte. Der König hatte heftig gezürnt über die Ver-wundung des Admirals. Konnte ein Mensch, ohne demWahnsinne verfallen zu sein, von warmer Neigung zustumpfer Gleichgültigkeit oder wildem Hasse in der Fristweniger Stunden übergehn?