Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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Während ich so meinen Kopf zerarbeitete, schrie meinHerz, daß mein Weib mich zu dieser Stunde erwarte,die Minuten zähle, und ich hier gefangen sei, ohne ihrNachricht geben zu können.

Noch immer schritt ich auf und nieder, als dieThurmuhr des Louvre schlug; ich zählte zwölf Schläge.Es war Mitternacht. Da kam mir der Gedanke, einenStuhl an das hohe Fenster zu rücken, in die Nische zusteigen, es zu öffnen und, an die Eisenstäbe mich an-klammernd, in die Nacht auszuschauen. Das Fensterblickte auf die Seine. Alles war still. Schon wollteich wieder ins Gemach herunterspringen, als ich meinenBlick noch über mich richtete und vor Entsetzen er-starrte.

Rechts von mir, auf einem Balkon des ersten Stock-werks, so nahe, daß ich sie fast mit der Hand erreichenkonnte, erblickte ich, vom Mondlicht taghell erleuchtetdrei über das Geländer vorgebeugte, lautlos lauschendeGestalten. Mir zunächst der König mit einem Antlitz,dessen nicht unedle Züge die Angst, die Wuth, derWahnsinn zu einem Höllenausdruck verzerrten. KeinFiebertraum kann schrecklicher sein als diese Wirklichkeit.Jetzt da ich das längst Vergangene niederschreibe, sehe