Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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In der That achtete Gustav Adolf es nicht für einenRaub, die Krone zu tragen. Wie hätte er, welcher -—ohne Abbruch der militärischen Strenge — jeden feinerLeute, auch den Geringsten, mit menschlichem Wohlwollenbehandelte, dieses einem gutgearteten Jüngling von ange-nehmer Erscheinung versagt, der unter seinen Augen lebteund nicht von seiner Seite weichen durfte. Und einemunverdorbenen Jüngling, der bei dem geringsten Anlaßnicht anders als ein Mädchen bis unter das Stirnhaarerröthete! Auch vergaß er es dem jungen Nürembergernicht, daß dieser an jenem folgenschweren Bankett ihn alsden „König von Deutschland" hatte hoch leben lassen,den möglichen ruhmreichen Ausgang seines heroischenAbenteuers in eine kühne prophetische Formel fassend.

Eine zärtliche und wilde, selige und ängstliche Fabelhatte der Page schon neben seinem Helden gelebt, ohne daßder arglose König eine Ahnung dieses verstohlenen Glückesgehabt hätte. Berauschende Stunden, gerade nach vollen-deten achtzehn unmündigen Jahrenbeginnend und diese aus-löschend wie die Sonne einen Schatten! Eine Jagd, eineFlucht süßer und stolzer Gefühle, quälender Befürchtungen,verhehlter Wonnen, Köpfender Pulse, beschleunigter Athem-züge, soviel nur eine junge Brust fassen und ein leichtsinniges

L. z. M-Ver, Novellen. I. 19