293
unwissend den unter dem Scheinbilde eines gutgeartetenJünglings spielenden Reiz eines lauschenden Weibes.Darüber befiel auch wohl den Pagen eine plötzliche Angst.Er vertiefte seine Altstimme und wagte irgend einemännliche Geberde. Mer ein nicht zu mißdeutendesWort oder eine kurzsichtige Bewegung des Königs gabdem Erschreckten die Gewißheit zurück, Gustav unterliegedemselben Blendwerk wie bei der Geburt seiner Christel.Dann gerieth der wieder sicher Gewordene wohl in eineübermüthige Stimmung und gab etwas so Verwegenesund Persönliches zum Besten, daß er sich eine Züchtigungzuzog. Wie jenes Mal, da er nach einem warmen ehe-lichen Lobe der Königin im Munde Gustav's die keckeFrage hinwarf: wie denn die Gräfin Eva Brahe eigent-lich ausgesehen habe? Diese Jugendgeliebte Gustav's undspätere Gemahlin De la Gardie's, welchen sie, da ihrder tapferste Mann des Jahrhunderts entschlüpft war,als den zweittapfersten heirathete, besaß dunkles Haar,schwarze Augen und scharfe Züge. Das erfuhr aber derneugierige Page nicht, sondern erhielt einen ziemlichderben Schlag mit der flachen Hand auf den vorlautenMund, in dessen Winkeln Gustav die Lust zu einemmuthwilligen Gelächter wahrzunehmen glaubte.