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Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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Es begab sich eines Tages, daß der König seinerChristel das Geschenk eines ersten Siegelringes machte.Aus den edeln Stein desselben sollte der Mode gemäßein Denkspruch eingegraben werden, eine Devise, wieman es hieß, welche — im Unterschiede mit dem er-erbten Wappenspruche — etwas dem Besitzer des Siegelspersönlich Eigenes, eine Maxime seines Kopses, einenWunsch seines Herzens, in nachdrücklicher Kürze aus-sprechen mußte, wie z. B. das ehrgeizige „Uonckum" desjungen Karl'sV. Gustav hätte Wohl seinem Kinde selbsteinen Leibspruch erfunden, aber, wieder der Mode gemäß,mußte dieser lateinisch, italienisch oder französisch lauten.

So suchte er denn, tief auf einen Quartband gebückt,unter den tausend darin verzeichneten Sinnsprüchen be-rühmter oder witziger Leute mit seinen lichtgefüllten,doch kurzsichtigen Augen nach demjenigen, welchen erseiner erst siebenjährigen, aber frühreifen Christel be-scheren wollte. Er belustigte sich an den lakonischenSätzen, welche das Wesen ihrer Erfinder — meistentheilsgeschichtlicher Persönlichkeiten — oft richtig, ja schlagendausdrückten, oft aber auch, gemäß der menschlichenSelbsttäuschung und Prahlerei, das gerade Gegentheil.

Jetzt wies ein feiner Finger mit einem scharfen