Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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Vicedomini und der Diana Pizzaguerra. Der Padua-ner hatte sich seine Verlobte aus einem am obernLaufe des Flusses gelegenen Kloster geholt, wohin, krafteiner alten städtischen Sitte, Mädchen von Stande vorihrer Hochzeit zum Behufe frommer Uebungen sich zu-rückzuziehen pflegen. Sie saß in der Mitte der Barkeauf einem purpurnen Polster zwischen ihrem Bräuti-gam und den drei blühenden Knaben seines erstenBettes. Umberto Vicedomini hatte vor fünf Jahren,da die Pest in Padua wüthete, das Weib seiner Ju-gend begraben und, obwohl in der Kraft der Männ-lichkeit stehend, nur schwer und widerwillig, auf dastägliche Drängen eines alten und siechen Vaters, zudiesem zweiten Ehebunde sich entschlossen.

Mit eingezogenen Rudern fuhr die Barke, demWillen des Stromes sich überlassend. Die Bootsknechtebegleiteten die sanfte Musik mit einem halblauten Ge-sänge. Da verstummten beide. Aller Augen hattensich nach dem rechten Ufer gerichtet, an welchem eingroßer Reiter seinen Hengst bändigte und mit einerweiten Geberde nach der Barke herüber grüßte. ScheuesGemurmel durchlief die Reihen der Sitzenden. DieRuderer rissen sich die rothen Mützen vom Kopfe und